Pater Nikodemus

Gestern Abend war ich in Jerusalem bei der Konrad-Adenauer-Stiftung zu Besuch. Mein Freund Michael Borchard hat seinem Amtsnachfolger symbolisch die Schlüssel für das Büro übergeben und eine pointierte, emotionale Rede gehalten. Das Land Israel wird ihn wohl zeitlebens nicht loslassen.

Dort traf ich mal wieder auf den in Stuttgart geborenen Pater Nikodemus. Auch er wird Israel nicht wieder los, denn er ist gekommen, um zu bleiben. Wir haben einen interessanten interreligiösen Dialog begonnen an dem Abend. Ich hoffe, wir werden ihn vertiefen.

Wenn es klappt, sogar mit Kamera und Ton, damit auch andere an unseren Gedanken und unserem Dialog teilhaben können. Denn eines ist uns beiden klar: Er wird Christ bleiben, ganz egal, was ich sage und ich bleibe Jude, egal welche Argumente er vorbringt. Nur wenn das geklärt ist, kann tatsächlich ein interessanter Austausch von Ideen und Wissen stattfinden.

Am kommenden Sonntag stellt er sich zur Wahl als Abt der Dormitio Abtei in Jerusalem. Ich wünsche ihm und der Abtei, dass er gewählt wird. Einen offeneren, sympathischeren, gewitzteren und besseren Abt werden sie so schnell nicht finden.

Deutsch-Holländische Eulen in Akko

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Freie Stelle als Grafiker zu besetzen!

Eulen nach Athen tragen! An dieses Sprichwort musste ich denken, als ich einem Mann begegnete, der zufällig neben mir im Flieger sass.owl

Die Eulen, die der Spruch meint, sind gar keine Tiere, sondern Münzen mit einem geprägten Vogel. Daher passt es sogar doppelt. Aber von vorne:

Ich sitze also im Flugzeug von Tel Aviv nach Zürich und neben mir sitzt ein etwas rundlicher Mann mit hohem Haaransatz, nur wenig älter als ich. An seinem Hals baumelt ein Goldkettchen mit Kreuz. Erst gegen Ende des Fluges kommen wir kurz ins Gespräch. Ich fragte ihn, was er in Israel gemacht hat, einfach um des Smalltalks willen.

Er sagte, er hätte eine Begegnung von Juden, Muslimen und Christen in einem Örtchen nördlich von Akko organisiert. Das Treffen wäre von Deutschland und Holland finanziert.

Kaum hatte er seinen Satz zuende gesprochen, musste ich laut loslachen (ja, im Flieger). Deutsch-Holländisches Geld dafür, dass sich Juden, Araber und Christen treffen? Ausgerechnet in Israel? Dem einzigen Land, das allen drei Religionen heilig ist? In dem alle drei Konfessionen wie selbstverständlich nebeneinander und miteinander leben? Das ist doch zum Schieflachen! Das Programm gäbe es doch schon viele, viele Jahre, entschuldigt sich der nette Mann peinlich berührt.

Die Eulen, die er aus Deutschem und Holländischem Geldsäckel mitgebracht hat, freuen die israelische Tourismusindustrie bestimmt. Daher will ich mich gar nicht beschweren. Und der Mann hat bezahlten Urlaub gemacht in einem der schönsten Mittelmeerländer mit Temperaturen im März, die dieses Jahr teilweise bis 30° C reichten. Win-Win, sagt man dazu.

Dennoch, das Geld wäre in Deutschland wohl besser angelegt. Wann immer ich einem Fremden in Deutschland sage, dass ich aus Israel stamme, sei es ein Taxifahrer oder ein Barmann im Café oder ein Passant auf der Strasse, entwickeln sich sofort interessante, manchmal auch peinliche Gespräche. „Ihr seid doch alle reich“, mutmasste letzte Woche etwa ein gemütlicher Biodeutscher in Düsseldorf, der sein Taxi zum Ziel meiner Wahl führte. Es gibt offenbar einen großen Begegnungs- und Gesprächsbedarf zwischen diesen Gruppen in Deutschland.

Aber nein, investiert wird lieber in Israel. Denn den Nahostkonflikt zu lösen oder zumindest dabei geholfen zu haben, ist den Deutschen ein Herzensangelegenheit. Sie können so das eigene geschichtliche Verbrechen wiedergutmachen, ja mit etwas Glück gar vergessen machen, wenn sie dem Israeli erklären, was Dialog der Kulturen ist und wie er funktioniert. Selber machen ist ja viel zu anstrengend, wenn auch heute nötiger denn je!

Nur was die Holländer geritten hat, so einen Quatsch zu finanzieren, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Die Woche der Brüderlichkeit

juedischeallgemeine
Webseite der Jüdischen Allgemeinen.

Die Jüdische Allgemeine hat mich nach einem Kommentar zur Woche der Brüderlichkeit gefragt und ich habe geliefert. In der gedruckten Ausgabe steht der Artikel sogar auf der Seite 1.

Das Motto dieses Jahr ist „Um Gottes Willen“ und ich setze mich mit der Frage auseinander, ob Gottes Wille überhaupt erfassbar für uns ist. Das Thema ist theologisch hochexplosiv, denn wenn alles nach Gottes Wille geschieht, wollte Er dann auch den Holocaust?

Lest einfach hier weiter: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/24834