Unter Belagerung

Ein Jahr ist vergangen seit dem letzten 10. Tevet: Der Fasttag, der so nah an Channukkah liegt. Freude und Leid waren schon immer enge Verbündete. Die Nähe dieser beiden Tage im Kalender erinnert uns daran. Der eine feiert das Ende und der andere den Beginn der Belagerung Jerusalems, wenn auch durch verschiedene Belagerer. Aber von denen gibt es ja mehr als genug.

Die 13 Blumen

IMG_0946 Der Tempel in Jerusalem als Modell (Israel Museum)

Heute ist nach dem jüdischen Kalender der Zehnte Tevet, der Tag der Beginn der Belagerung Jerusalems durch Nebuchadnezzar, die zur Zerstörung des ersten Tempels führte. Wir fasten und beten viel. Es ist ein nationaler Trauertag. Wer nicht weiss, zu welchem Datum seine Verwandten etwa im Holocaust tatsächlich ermordet wurden, kann heute das Trauergebet, das Kaddisch, für sie sagen, das üblichweise am Tag der Yahrzeit, also am Todestag nach dem jüdischen Kalender gesprochen wird.

Ich faste nicht gerne. Und heute fühle ich mich auch sonst nicht besonders fit. Daher hätte ich Grund genug, diesen doch nachrangingen Fastttag ausfallen zu lassen und mit den Kollegen Essen zu gehen, wie jeden Tag.

Aber Asara BeTevet, wie der Tag auf hebräisch heisst, ist doch ein besonderer Fasttag. Würde er auf einen Schabbat fallen, was er niemals tut, dann würden wir am Schabbat fasten. Das ist…

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Unter Belagerung

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Der Tempel in Jerusalem als Modell (Israel Museum)

Heute ist nach dem jüdischen Kalender der Zehnte Tevet, der Tag der Beginn der Belagerung Jerusalems durch Nebuchadnezzar, die zur Zerstörung des ersten Tempels führte. Wir fasten und beten viel. Es ist ein nationaler Trauertag. Wer nicht weiss, zu welchem Datum seine Verwandten etwa im Holocaust tatsächlich ermordet wurden, kann heute das Trauergebet, das Kaddisch, für sie sagen, das üblichweise am Tag der Yahrzeit, also am Todestag nach dem jüdischen Kalender gesprochen wird.

Ich faste nicht gerne. Und heute fühle ich mich auch sonst nicht besonders fit. Daher hätte ich Grund genug, diesen doch nachrangingen Fastttag ausfallen zu lassen und mit den Kollegen Essen zu gehen, wie jeden Tag.

Aber Asara BeTevet, wie der Tag auf hebräisch heisst, ist doch ein besonderer Fasttag. Würde er auf einen Schabbat fallen, was er niemals tut, dann würden wir am Schabbat fasten. Das ist bei allen anderen Fasttagen bis auf Yom Kippur nicht so. Der Grund ist, dass wir damit nicht einem Unglück, das an diesem Tag passierte gedenken, sondern wir einem zukünftigen entgegenwirken wollen. Zwischen der Belagerung und der Zerstörung des Tempels lagen Jahre. Heute gilt daher der Tag als der Tag des Gerichts, an dem G-tt entscheidet, ob der Tempel dieses Jahr wieder erbaut werden wird.

Auch heute wird Jerusalem belagert. Von BDS-Idioten, von Messerstechern, von der Hisbollah im Norden, der Hamas im Süden und von Osten droht der IS. Und wir sitzen hier und warten nicht darauf, dass die Belagerung erfolgreich sein wird. Wir wehren uns.

Und wir fasten.

Tischa Be’Av in Jerusalem

Heute Morgen war ich mit meiner Gemeinde auf einem Aussentermin. Heute ist Tischa Be’Av, ein Trauer- und Fasttag, an dem wir der Zerstörung des ersten und des zweiten Tempels gedenken. Daher haben wir für das Morgengebet einen Ort gewählt, von dem aus man die Jerusalemer Altstadt überblickt und eine Perspektive hat, so dass man zuvorderst den „Har HaBayit“, also den Tempelberg sieht.
Tischa Be’Av ist so traurig, dass man sich nicht mal gegenseitig grüßt und die Geschichten, die man sich als Teil des Abend- und Morgengebetes gegenseitig vorliest, stellen Stephen Kings Bücher an Grausamkeit locker in den Schatten. Dabei vergeht einem der Appetit. Kein Wunder, dass das ein Fasttag ist. Zom kal! (Habt ein einfaches Fasten!)11794543_905079222887201_4258832914040606480_o