Hass im Netz: Diskussionsleitfaden

Letzte Woche habe ich einen kurzen Text, den ich hauptsächlich aus anderen Quellen zusammengeklaubt habe, zum Thema Hass und Hetze im Netz geschrieben. Dort schrieb ich: Wehrt euch! Lasst keinen Hass unkommentiert und ungeahndet. Behaltet dabei immer Anstand und bleibt bei der Sache!

Wie man mit Hass im Netz umgeht, darüber diskutieren viele, und nicht nur Netzaktivisten wie etwa auch Sascha „Hahnenkamm“ Lobo auf der re:publica. Gehasst wird alles und jede(r). Natürlich bleibt der Evergreen Judenhass beliebt, aber auch Veggies (zu recht), Fleischfresser (auch zu recht), Muslime, Fremde, Nicht-Fremde, Radfahrer und wer auch immer sind Ziel von Hassattacken im Internet.

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Den Troll füttern, bis er daran erstickt!

Lange galt die Überzeugung, dass man auf Online-Hass nicht eingehen sollte. „Don’t feed the troll“ hat aber meiner bescheidenen Meinung nach als Grundsatz ausgedient. Der Hass verhungert leider nicht. Auch nicht, wenn man ihn ignoriert. Denn was man dabei vergisst, sind die meist stillen Mitleser. Sobald eine Diskussion öffentlich oder halböffentlich ist, darf man Hass nicht unwidersprochen lassen! Wer in seinem privaten Postfach Hass vorfindet, sollte natürlich nicht antworten, sondern ihn entweder löschen oder gleich an die zuständigen Behörden weiterleiten. Wer wie wir hier ein Blog betreibt, moderiert Hasskommentare weg. Das ist keine Zensur, das ist eine Selbstverständlichkeit.

Aber: Wie redet man in einem öffentlichen Forum wie Facebook gegen einen hasserfüllten Idioten an, ohne selbst wie einer zu klingen? Und das, ohne ihm und seinem Hass noch mehr Gewicht zu geben?

Ich habe einen Leitfaden gebastelt, der dabei helfen soll. Er ist weder wissenschaftlich belegt, noch von Diplom-Psychologen geprüft, sondern einfach meine bescheidene Idee. Nehmt ihn, erweitert, ändert ihn, erzählt mir davon und auch von Erfolgen und Misserfolgen bei der Anwendung, damit ich ihn überdenken, verbessern, ausbauen kann.

  1. Sachlich bleiben:  Wer schreit, hat unrecht, daher auf Kraftausdrücke verzichten, nicht in GROSSBUCHSTABEN schreiben, den Gegnüber nicht einfach als dumm abstempeln (auch, wenn er es ist), sondern fachgerecht seinen Post filetieren.
  2. Maximale Distanz wahren: Wenn es sich vermeiden lässt, den Hassposter nicht direkt ansprechen, sondern nur auf seine Aussagen reagieren. Dabei nicht mal auf die dritte Person zurückgreifen, wenn es sich vermeiden lässt.
  3. Siezen: Wenn es unvermeidlich ist, den Hassposter direkt anzusprechen, dann zumindest in der Ansprache eine möglichst große Distanz herstellen. Siezen ist zwar die „Höflichkeitsform“, aber ein „Sie Arschloch!“ klingt doch immer besser als ein „Du Arschloch!“. Wobei beides so nicht geht, siehe Punkt 1. 😉
  4. Fakten 1: Die Hassposter werden zunehmend professionell. Sie nutzen angebliche Fakten, die sie teils aus vorgefertigten Textbausteinen (daher mit erstaunlich wenig Rechtschreibfehlern) zusammenkopieren. Wenn denen nicht regelmässig widersprochen wird, gelten sie irgendwann als Wahrheit/Fakt, selbst die abstrusesten. Auf letztere muss man deutlich mit „Nein“, „Das stimmt nicht“ oder gar „Das ist eine (Propaganda-)Lüge“ antworten.
  5. Fakten 2: Viele Fakten sind für Menschen nicht emotional begreiflich. Der Mord an sechs Millionen Menschen im Holocaust ist einfach nicht vorstellbar. Ausserdem kann jeder Fakt, egal wie wahr er ist, durch eine einfache Behauptung in Frage gestellt werden. Daher muss man mit Emotionen Fakten untermalen und bestärken. Emotionen kann man nicht widerlegen und eine „positive“ Emotion wie Mitleid, Trauer, Liebe, Empathie etc. gewinnt immer gegen Hass als Emotion.
  6. Diskussion steuern: Die besten Möglichkeiten, eine Diskussion zu steuern, sind Fragen. Das wissen auch Hassposter. Daher finden sich so viele Fragen ihn ihren Textbausteinen. Nutze die selbe Technik, nur besser. Lass Dir im Gegenzug kein Thema aufdrängen und antworte niemals auf Fragen von Hasspostern!
  7. Wortwahl entlarven: Wenn Worte wie „Holoclaust“ fallen, den Kontext herstellen, damit deutlich wird, was hier eigentlich ausgedrückt wurde.
  8. An die Mitleser wenden: Das ist im Grunde das Wichtigste bei all dem! Den Hassposter wird man in keiner öffentlichen Diskussion umstimmen können. Schon alleine nicht, weil er (oder sie) dann öffentlich ihr Gesicht (oder sollte ich „Fratze“ sagen?) verliert. Daher alles, was man schreibt mit dem Gedanken formulieren, dass Dritte, stille Mitleser erreicht werden sollen!
  9. Anzeigen: Wenn etwas eurer Meinung nach justiziabel ist, anzeigen! Und das auch in der Diskussion ankündigen, damit Mitlesern klar ist, dass hier Gesetze übertreten wurden. Posts beim Betreiber (Facebook, Blog, Twitter, etc.) melden!
  10. Rechtschreibung: Jeden Post vor dem Absenden noch mal Korrektur lesen und einen Rechtschreibprüfer nutzen, der in jedem aktuellen Browser existiert.

Wenn man sich an alle zehn Punkte halten will, kann das in echte Arbeit ausarten. Das kann man von keinem verlangen. Daher:

  1. Mitstreiter suchen! Verteilt die Arbeit auf verschiedene Diskussionsteilnehmer. Damit wirkt auch die Front gegen den Hass breiter!

Also: Teilt meinen Post auf Facebook, Twitter, in euren Blogs, erweitert die Tipps, streicht, was ihr als unnötig erachtet und kämpft mit Kreativität gegen den Hass im Netz!

Wie gegen Hetze im Netz vorgehen

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Strafen: Beispiel 1: 60 Tagessätze à 23 Euro; Beispiel 2: 120 Tagessätze à 40 Euro; Beispiel 3: 200 Tagessätze à 25 Euro; Beispiel 4: 80 Tagessätze à 25 Euro
Viele fühlen sich hilflos gegenüber Hass und Hetze in sozialen Netzen und anderen Tummelplätzen im Internet. Facebook bietet zwar eine Funktion, Seiten sperren zu lassen, aber die Entscheidungen werden nach nicht wirklich nachvollziehbaren „Gemeinschaftsstandards“ gefällt. Ähnliches gilt für alle anderen sozialen Netzwerke.
Doch auf diese Schattengerichte eines Unternehmens muss man sich nicht verlassen. Es gibt auch noch den guten, alten Rechtsstaat. Und damit das Anzeigen eines Onlinearschlochs nicht zu einem Spiessrutenlauf durch die Amtstuben einer miefigen Polizeiwache wird, bieten viele Bundesländer sogenannte „Internetwachen“ an. Und dass eine solche Anzeige den Täter empfindlich treffen kann, zeigen die Beispiele im Bild oben.

 

Hier sind die Links zu den Internetwachen der einzelnen Bundesländer:
►Baden-Württemberg: http://bit.ly/internetwache_bw
►Mecklenburg-Vorpommern: http://bit.ly/internetwache_meckpom
►Nordrhein-Westfalen: http://bit.ly/internetwache_nrw
►Schleswig-Holstein: http://bit.ly/internetwache_sh

 

In Bayern, Bremen, Rhein­land-Pfalz, Saar­land und Thüringen gibt es aktuell leider noch nicht die Möglichkeit, Anzeigen online zu erstatten. Übrigens: Auch andere Straftaten können über die Internetwachen zur Anzeige gebracht werden. Achtet aber bitte darauf, diese Möglichkeit nicht leichtfertig zu nutzen oder zu missbrauchen. Einmal erstattete Anzeigen können nicht zurückgezogen werden. Wissentlich falsche Anzeigen stellen ebenfalls eine Straftat dar.

 

Speziell wenn es um Antisemitische Ausfälle geht und die Deutsche Polizei nicht die richtige Anlaufstelle ist, dann kann man sich auch Schützenhilfe bei StandWithUs holen. Wenn die etwa bei Facebook eine Gruppe oder einen Post oder Kommentar melden, hat das spürbar mehr Gewicht.

 

Also: Wehrt euch! Lasst keinen Hass unkommentiert und ungeahndet. Behaltet dabei immer Anstand und bleibt bei der Sache! Die Ärsche selbst, die so etwas posten, wird man nicht überzeugen können, wohl aber die stummen Mitleser! Denkt an die, wenn ihr Hass online erwidert! Unwidersprochener Hass ist still bestätigter und damit akzeptierter Hass!
Und wenn es zu viel wird, zeigt die Leute an. Auch, wenn sie nicht verurteilt werden sollten, nur die angezeigten Taten werden in Statistiken aufgenommen, die von der Politik als Handlungsgrundlage verwendet werden können und werden!

 

Danke an Michael I.!