#JeSuisParis

cd_felix

#‎JeSuisParis‬ Die Nachricht von den Attentaten in Paris traf mich wie ein Schlag. Es passierte Freitag Abend und da sind bei uns alle Computer aus und Telefone stumm. Erst Samstag Mittags in der Synagoge machten erste Gerüchte die Runde. Ich wollte es nicht glauben, so wenig überraschend es auch leider ist.
Es ist schrecklich. Schrecklich, was passiert ist und schrecklich, was daraus folgen wird und nicht folgen wird und schon gefolgt ist. Die Sache wird mal wieder nichts, aber rein gar nichts mit dem Islam zu tun haben, was natürlich absoluter Blödsinn ist. Das ist, als würde man sagen, die Kreuzzüge hätten nichts mit dem Christentum zu tun. Das große Problem dabei ist: Die einzigen politischen Kräfte, die laut rufen „Der Kaiser ist nackt!“, sind entweder echte oder verkappte Nazis.
Die Menschen sind doch nicht saublöd! Wer von den großen Parteien, den meisten Medien und der Regierung orwellsch alles, was mit dem Islam zu tun hat (oder angeblich nicht zu tun hat) schöngeredet bekommt, der wählt irgend wann eine Partei, die zu diesem Thema ausnahmsweise mal keinen offensichtlichen Dummfug erzählt. Und davor habe ich Angst.
Ich bin für Religionsfreiheit. Ich bin dafür, dass jeder Glauben darf, was er will und das dem Ansehen seiner Person nicht schaden darf. Ich bin schon aus rein egoistischen Gründen dafür, denn auch ich bin religiös. Aber man muss Dinge beim Namen nennen dürfen. Sonst wird es alles nur schlimmer. Noch schlimmer. (Und noch viel schlimmer, als meine Frisur auf meinem Teenagerperso aus Frankreich)

Jérusalem est Charlie

Heute habe ich für unsere Wohnung die Arnona, die Stadtsteuer bezahlt. Darin enthalten ist die Müllabfuhr und Strassenwartung und Licht und was sonst noch so zum Service einer Stadt dazu gehört. Der Preis ist abhängig von der Wohngegend und den Quadratmetern der eigenen vier Wände. Ich musste heute etwa 1200,- Euro für das Jahr 2015 berappen.
Von diesem Geld gönnt sich die Stadt auch ein hübsches Verwaltungsgebäude im Zentrum mit durchdachtem Nummernsystem und muttersprachlichen Mitarbeitern in Hebräisch und Arabisch. Trotz der wirklich vielen Amis und Franzosen in der Stadt gibt es keinen Service in einer dieser Sprachen.
Heute gab es aber einen Stand, der war für Franzosen. Einen Stand, auf dem stand: „Die Stadt Jerusalem begrüsst die Neueinwanderer aus Frankreich!“ Und draussen vor der Tür hängt das Plakat „Jérusalem est Charlie“. Nur ein paar Meter hinter dem Stand aber fängt der Servicebereich an und dort ist es dann vorbei mit Französisch. Nun ja, mein Hebräisch reicht für Behördengänge.
Nach den Attentaten in Paris erwartet man noch mehr Einwanderer aus Frankreich. Weit über 10.000 sollen es 2015 werden. Da die Einwanderungswelle von Juden aus Frankreich schon eine Weile anhält, gibt es inzwischen sogar guten koscheren Käse in diesem Land. Und wer weiss, vielleicht erscheint bald hier auch regelmässig Charlie Hebdo auf Französisch.
10923304_815602945168163_7562781239938236004_n