Taxi in Madrid – Adrenalin pur

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Der Fahrer dieses Gefährts war die große Ausnahme. Ruhig und entspannter Fahrstil. Die Zielstrasse hat er jedoch am Ende auch verfehlt.

Ich bin gerade beruflich in Madrid und meine Firma lässt mich jeden Morgen mit dem Taxi in unser lokales spanisches Büro und jeden Abend zurück ins Hotel kutschieren.

Taxifahren in Madrid hat echt Vorteile gegenüber dem selben Freizeitvergnügen in anderen Orten. In Berlin etwa muss man froh sein, wenn es einem der Fahrer nicht übel nimmt, dass man mit ihm gefahren ist. In Israel wiederum sollte man sein Testament vorher gemacht haben.

Die Vorteile in Madrid auf einen Blick:

  • Es fahren gefühlt 20 freie Taxen pro Minute an einem vorbei, egal wo man ist. Altmodisches Taxirufen und neumodische Äpps braucht man nicht.
  • Die Fahrer sind durch die Bank freundlich, bieten während der Fahrt Smalltalk und Kaugummis an.
  • Ich habe noch kein Taxi gefunden, in dem man nicht problemlos mit Karte bezahlen kann. Karte rein, Geheimzahl eintippen, Karte raus. Geht schneller als auf Wechselgeld aus der speckigen Arschtasche des Fahrers zu warten.
  • Die Taxen sind sauber und ordentlich und riechen nicht nach Männerschweiss mit Zigarettenasche und Duftbaum Gemisch, so wie viele in Berlin.
  • Die Fahrer fluchen nicht ständig über andere Verkehrsteilnehmer, wie etwa die israelischen, die nach eigenem Bekunden die einzigen auf der Strasse sind, die einen Spurwechsel (einen? Was sage ich, hunderte pro Kilometer!) korrekt durchführen können. Und das ganz ohne lästiges Blinken oder einen Blick in den Rückspiegel.

Aber es gibt auch Nachteile:

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Fernando Alonso, entfernter Verwandter aller spanischen Taxifahrer – Foto von Wikipedia/Ryan Bayona
  • In Madrid scheint jeder Taxifahrer mindestens ein entfernter Verwandter von Fernando Alonso zu sein. Ich habe mir abgewöhnt, auf die Strasse zu gucken, um meine Nerven zu schonen und meinen Adrenalinspiegel auf einem erträglichen Niveau zu halten. Aber manchmal holt einen eine Vollbremsung mitten auf der Autobahn dann doch in die Wirklichkeit zurück.
  • Fremdsprachen heissen Fremdsprachen weil sie Taxifahrern fremd sind und nur Fremde sie sprechen. Ich bin hier so ein Fremder. Nicht mal ein paar Brocken Englisch habe ich aus den Taxifahrern herausbekommen. Dem Drang, Smalltalk zu betreiben tut das leider keinen Abbruch, man wird eben auf Spanisch vollgequatscht
  • Dank Google Maps und Navis verfahren sich die Fahrer nicht komplett. Aber ich musste fast jedes Mal darauf hinweisen, die richtige Ausfahrt aus dem Kreisverkehr nicht zu verpassen, wenn ich keine extra Alonso-Runden drehen wollte.

Donnerstag fahre ich wieder ab. In zwei Wochen bin ich dann in Düsseldorf. Wieder beruflich und wieder oft mit Taxen unterwegs. Mal sehen, was ich dann erleben werde. Sofern ich die Taxifahrten bis dahin überlebe. Am meisten mache ich mir Sorgen bei der Fahrt vom Ben Gurion Flughafen nach Hause.

Koscher Madrid

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lecker koscher, liebe Mary Jeez!

Wenn man in Madrid koscheres Essen sucht, hat man durchaus Möglichkeiten. Ich war eben einkaufen und habe in einem koscheren Laden um die Ecke leckere Pastete und Aufschnitt gekauft. Ausserdem gibt es in der Nähe eine Bäckerei, die koscheres Brot im Angebot hat. Dort habe ich die Brötchen her. Nur der Name der Verkäuferin war irgendwie lustig.

Gut Schabbes Selfie – Madrid

74! Nein, das ist nicht mein Geburtsjahr, aber fast. In heutigen Wochenabschnitt finden sich 74 der 613 Gebote aus der Torah. Manche davon sind heute nicht mehr anwendbar, andere miss- und wenige komplett unverständlich. Ich könnte also einen kilometerlangen Text über „Ki Teitzei“ schreiben. Aber dann würde ich wohl ein tl;dr von vielen hier ernten. Zu Recht.
Ich bin gerade in Spanien, genauer in Madrid, wie man im Foto vielleicht erkennen kann. Die Arbeit hat mich hierher verschlagen und meine Familie konnte daher leider nicht mit. Ich vermisse sie schrecklich und als ich eben mit ihnen geskyped habe, ist mein Jüngster mit seinen fünf Monaten vor Freude fast durchgedreht. Und ich innerlich auch.
Er hat mich also nicht vergessen in der letzten Woche. Und auch der Wochenabschnitt gebietet uns im letzten Satz, nicht zu vergessen. Aber nicht den lieben Papa, sondern das böse Amalek. Das Volk, dass uns nachgestellt hat und die schwächsten hinterrücks erschlagen hat nach unserem Auszug aus Ägypten.
Amalek gibt es nicht mehr. Aber es gibt immer wieder Völker, die sich um diesen Titel bewerben. Vor gut 500 Jahren waren das die Spanier mit der Inquisition. Knapp 500 Jahre danach die Deutschen. Spanien auf hebräisch ist „Sfarad“ und Deutschland „Medinat Aschkenas“. Die Hauptströmungen im Judentum sind sefardische und aschkenasische Juden. Zufall?
Hier in Spanien fällt es mir also nicht so schwer, Amalek zu erinnern. Und auch nicht, mich darauf zu freuen, den nächsten Schabbat wieder zuhause mit meiner Familie in Israel zu feiern.

Gut Shabbes!

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Beruflich in Madrid

Ich bin gerade beruflich in Madrid. Hier gibt es eine Synagoge mit täglichem Gebet für alle drei Gebete (Schacharit, Mincha und Maariv). Bei etwas 7k Juden in der Stadt ist das beachtlich.

Als ich dort zum ersten Mal um Einlass gebeten habe, um beim Morgengebet mitzubeten, musste ich durch die Sicherheitsschleuse. Sie verbirgt sich hinter der Tür im Foto. Die Überwachung mit Kameras vor der Tür, ist nicht zu übersehen, genauso wenig wie ich nicht vom Sicherheitspersonal beim Fotografieren übersehen wurde. Die Tür ist offen, weil gerade jemand herausgestürmt kommt, um mich an meinem Werk zu hindern.
Ich habe im Buch im Kapitel über die Synagoge darüber geschrieben, dass man wissen sollte, was der aktuelle Wochenabschnitt ist, wenn man unangemeldet in eine Deutsche Synagoge hinein möchte. Nunja, hier wurde ich nach meinem Pass, meinem hebräischen Namen, meinem Wohnort UND ausserdem nach dem Wochenabschnitt gefragt. Und als ich nach dem Gebet wieder gehen wollte und meinen Rucksack, den ich nicht mit hineinnehmen durfte wieder aus dem Spint herausschälte, da bat mich der Mann von der Sicherheit, meine Kippa nicht öffentlich zu zeigen. Es wäre zu gefährlich.
Sind die alle paranoid? Oder gibt es hier wirklich so viele gewaltbereite Antisemiten?

Irritierte Grüße aus Madrid!

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