Schanah Tova! Frohes Neues Jahr!


Liebe Leser unseres Blogs, es ist schon wieder ein Jahr vorbei!

Wir wünschen euch allen ein süßes, ein erfolgreiches und ein gesundes Jahr 5778!

Chatima Tova und alles Gute!

Jenny und Eliyah 

P.S.: Am Sonntag Wählen gehen nicht vergessen! Für süße vier Jahre!

Frohes neues Jahr 2017!

Ich liebe ja Kalender und deswegen geht auch dieser nichtjüdische Neujahrs-Feiertag nicht sang- und klanglos an mir vorbei.

chan8day
Heute Morgen beim Morgengebet brannten noch mal alle acht Kerzen

Er wird sogar in meinem Buch ausführlich besprochen!
Dieses Jahr waren, wie ihr schon wisst, Channukah und Weihnachten am selben Tag. Das nächste Mal wird das 2027 so sein, also in 11 Jahren. Alle 19 Jahre, wenn sich ein Zyklus von Schaltmonaten im Hebräischen Kalender schliesst, fällt der Tag auf einen in der Nähe, also hier auf den 26.12.2035. Diese Abweichung ist mit den gregorianischen Schaltjahren zu erklären.
Wenn Weihnachten und Channukka zusammenfallen, dann fallen auch der Neumond (Rosh Chodesh) Kislev und der 1. Dezember zusammen und der 1. Januar mit dem 8. Tag Channukkah. Dieses Jahr hatte der Kislev im Hebräischen Kalender nur 29 Tage (sonst meist 30), daher fiel der 1. Tevet auf den 29. Dezember. Im Jahr 2027 aber hat der Kislev die üblichen 30 Tage, so dass Silvester und Rosh Chodesh auch auf den selben Tag fallen.
Der 1. Januar ist immer acht Tage nach Weihnachten, denn da wird die Beschneidung des Geburtstagskindes vom 25.12. gefeiert. Heute ist dieser Tag und daher auch der 8. Tag Channukkah.
Daher wünsche ich heute allen ein schönes neues Jahr 2017, ein besinnliches Beschneidungsfest und ganz besonders: Einen schönen letzten Tag Channukkah! Heute darf man noch mal Berliner/Pfannkuchen/Sufganiyot essen, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Morgen beginnt dann für alle von uns wieder der Ernst des Lebens.

Tu Bishvat – Das Neujahr der Bäume

tubishvat
Ist der Mensch ein Baum im Feld?

Heute ist Tu Bi’shvat, das Neujahr der Bäume. Es ist ein kleinerer Feiertag, der im Kalender leicht unbemerkt an einem vorbeigeht. Es gibt keine besonderen Gebete, man isst wenn möglich ein Paar Baumfrüchte, vorzugsweise Trauben, Datteln, Feigen, Oliven und Granatäpfel, die die Torah als Früchte des Landes Israel preist und das war es schon.

Der Kabbalist Arizal hat zwar einen „Seder“, also eine an Pessach angelehnte Festmahlzeit entworfen, bei der man auch vier Gläser Wein trinkt, aber das ist keine weit verbreitete Tradition. Ich trinke nicht mal gerne Wein, daher warte ich mit exzessivem Alkoholgenuss lieber auf Purim. Da kann man auch Bier trinken.
Der Feiertag ist in Israel für die Beurteilung, wie alt ein Baum ist, wichtig. Früchte darf man nämlich erst nach drei Jahren von einem jungen Baum ernten. Daher ist das Neujahr der Bäume so was wie ein gemeinsamer Geburtstag für unsere hölzernen Freunde.
Man sieht, Bäume bekommen in der Torah eigene Rechte. Fast wie Tiere und Menschen. Es ist etwa verboten, einen Fruchtbaum zu fällen, nur weil einem in einem Krieg im Weg ist. Die Halacha, das jüdische Gesetzt interpretiert aus diesem Gebot das Verbot der Verschwendung und sinnlosen Zerstörung von Gegenständen, Häusern, der Natur und der Umwelt. Die Torah ist also voll öko, wie man auf Neudeutsch sagt! Die entsprechenden Gesetze findet man im Deuteronomium, dem 5. Buch Mose, Verse 20:19-20.
Und dort mittendrin steht der merkwürdige Satz „Ki Ha’adam Etz HaSsadeh“. Wörtlich übersetzt bedeutet das „Weil der Mensch ein Baum im Feld (ist)“. Ich selbst fühle mich nicht wirklich wie ein Baum. Ich habe nicht nur ein Bein und das ist auch nicht am Boden fest gewachsen. Die wörtliche Bedeutung bringt uns also nicht weiter.
Die Kommentatoren der Torah haben diesem Satz über die Jahrhunderte große Aufmerksamkeit geschenkt. Ist er nicht doch eine Frage und keine Aussage? Sind die Baumfrüchte des Menschen seine Kinder oder seine Gedanken und Wissen? Wenn man nur Fruchtbäume nicht fällen darf, muss man sich einen neuen Lehrer suchen, also den alten fällen, wenn er keine Wissenfrüchte mehr trägt, von denen man lernen kann? Oder sind die Wurzeln sein Intellekt und die Baumkrone sein Kopf, der zum Himmel gewandt ist?
Tu Bi’Shvat ist also nicht nur ein Neujahr der Bäume, es ist auch für uns mal wieder ein Anstoss, sich mit uns selbst und unserer Umwelt zu befassen. Ist der Mensch ein Baum im Feld? Bin ich verwurzelt in meinem Intellekt, meinem Glauben, meinem Umfeld und in dieser Welt oder schwankt mein Kopf im Wind herum und ein kleiner Sturm wird mich entwurzeln?
Der Israelische Dichter Natan Zach hat kurz nach dem Holocaust den Satz „Ki Ha’adam Etz HaSsadeh“ in ein wunderschönes, trauriges Lied verdichtet. Ich habe versucht, es nachzudichten:

Ist der Mensch ein Baum im Feld?
Natan Zach – Deutsch: Eliyah Havemann

Ist der Mensch ein Baum im Feld?
Genau wie ein Mensch, blüht auf der Baum
Genau wie der Baum, wird der Mensch gefällt
Und ich, ich weiss nicht
wo war ich und wo will ich noch hin
wie ein Baum im Feld

Ist der Mensch ein Baum im Feld?
Er wirft die Arme wie ein Baum gen Himmel
Und er verkohlt wie er im Brand
Und ich, ich weiss nicht
wo war ich und wo will ich noch hin
wie ein Baum im Feld

Ist der Mensch ein Baum im Feld?
Unstillbar ist sein Durst nach Wasser
Nach Leben in unserer vertrockneten Welt
Und ich, ich weiss nicht
wo war ich und wo will ich noch hin
wie ein Baum im Feld

Ich liebte und ich hasste
Ich habe so vieles probiert
Doch sie verscharrten mich in der Erde
und es schmeckt so bitter und ich werde
wie ein Baum im Feld
wie ein Baum im Feld