„Frag uns Doch!“ – Marina und Eliyah antworten

Twitteruser und ihre Bücher

Heute erschien das Buch „Frag uns Doch!“ von Marina Weisband und mir und mit einem Vorwort von Dr. Michael Blume im S. Fischer Verlag. Das Buch begann mit einem Tweet von Marina vor etwa einem Jahr und heute wird passenderweise meine Timeline bei Twitter mit Fotos von dem Buch geflutet!
Es fühlt sich gut an und auch ein bisschen komisch. Denn alle diese Menschen haben das Buch vor mir in der Hand dank der weniger schnellen Zustellung meines Belegexemplars durch die Israelische Post.

Das Buch ist Aufklärung und Erzählung in einem. Marina und ich gehen auf Fragen von Twitterern ein und erzählen in den Antworten unsere persönliche Verbindung zum Judentum.

Das direkte Feedback der Leser:innen über Twitter ist wirklich etwas Neues für mich. Und es gefällt mir. Denn am Ende will ein Buch nur eines: Die Herzen der Leser berühren. Und wenn man als Autor das miterleben kann, ist es ein besonderes Privileg.

https://www.fischerverlage.de/buch/marina-weisband-eliyah-havemann-frag-uns-doch-9783103974911

Yom Kippur 2020 – Versöhnung und Twitter

Typisch jüdisch – der höchste Feiertag im Judentum ist nicht etwa der fröhlichste Feiertag, sondern der ernste.

An Yom Kippur wird unser Schicksal für das kommende Jahr besiegelt. An Rosh Hashana (Neujahr, 9 Tage vor Yom Kippur) stehen wir vor Gott vor Gericht und bitten um Verzeihung, für die schlechten Sachen, die wir ihm gegenüber verbrochen haben.

In den 9 Tagen bis Yom Kippur haben wir Zeit, bei den Menschen um Verzeihung zu bitten. Es geht darum, sich bei möglichst allen aus seinem Umfeld zu entschuldigen. Es könnte komisch rüberkommen, wenn man Familie und Freunde durchtelefoniert und den Standart-Satz: „Es tut mir Leid, wenn ich dir im letzten Jahr was böses gemacht habe“ spricht, doch jedes Jahr kommt es vor, dass dann Jemand sagt: „Danke, du hast mich tatsächlich mit dem und dem verletzt.“ Das sorgt dann für eine echt Versöhnung.

Doch Yom Kippur ist mehr als der wichtigste Tag im jüdischen Kalender. Nicht nur für Israel hat er eine enorm wichtige Bedeutung (Yom Kippur Krieg), sondern seit dem letzten Jahr auch für Deutschland (Halle Attentat). Letztes Jahr haben wir gesehen, wie real der Antisemitismus in Deutschland ist.

In den letzten Wochen habe ich mich extrem viel über die aktuelle Antisemitismus Debatte im Zusammenhang mit Satire auf Twitter geäußert. Es schmerzt mich zutiefst, dass Kunst mit Diskriminierung vermischt wird. Nein, Satire darf nicht alles. Auch Demokratie darf nicht alles aushalten, Nazis und sonstige Rechtsextremisten darf man nicht aushalten.

Yom Kippur ist der Tag der Versöhnung, wir alle machen Fehler und müssen uns für die Fehler entschuldigen.

Ich entschuldige mich vom Herzen, falls ich Jemanden verletzt habe.

Gmar Chatima Tova!

Photo: Michal Sela

Corona-Schabbat in Israel

So sieht unsere Synagoge aus

Unsere Gemeinde hat kein eigenes Synagogengebäude. Wir sind zu Gast in einer Schule und sitzen auf Plastikstühlen und haben temporäre Möbel, wie etwa das Lesepult, die auf Rollen stehen.

Ich bin gestern Abend zum Abendgebet mit gemischten Gefühlen gegangen. Die Schulen wurden geschlossen, Veranstaltungen abgesagt, Reisen ins Ausland sanktioniert und vieles mehr. Alles, um die Ausbreitung des Corona-Viruses zu verlangsamen. Ist es da eine gute Idee, in eine Synagoge zu gehen? Mit vielen Menschen gleichzeitig?

Als ich ankam, bot sich mir ein ungewohntes Bild. Der Gabbai (Synagogendiener, der den Gottensdienst organisiert) sagte an, dass wir leider das Gebet zweiteilen müssen, da mehr als 35 Beter anwesend waren. Ich ging also mit etwa 15 anderen Männern in die (geschlossene) Cafeteria der Schule, um dort das Abendgebet zu beten. Der Gabbai sagte an, dass es am nächsten Morgen genau so laufen werden: Ein geteilter „Minjan“.

Ich kam etwas zu spät an am nächsten Morgen zum Morgengebet. Wie eigentlich immer. Aber es waren kaum Menschen da. Die Frauensektion war fast komplett leer und die Männer sassen auf Stühlen, die so arrangiert waren, dass in alle Richtungen ein 2m Abstand zum nächsten Stuhl eingehalten wurde. Ein zweiter Minjan war nicht nötig.

Die Lesung des Wochenabschnitts aus der Torah ist üblicherweise eine gedrängte Veranstaltung. Um den Tisch stehen der Vorleser, der Aufgerufene, der Souffleur, der Gabbai und der Aufgerufene des vorherigen Abschnitts. Fünf Leute! Heute standen dort nur der Vorleser und der Aufgerufene. Alle anderen blieben auf Abstand.

Nach der Lesung gibt es immer ein sogenanntes „Dvar Torah“, einen kleinen Vortrag zum Wochenabschnitt. Man könnte auch „Predigt“ sagen, aber bei uns wird dieser Vortrag von Gemeindemitgliedern und nicht von einem Rabbi gegeben. Heute wurde dieser Vortrag verschoben auf das Ende des Gebets und verlegt auf den Vorplatz der Schule. Draussen ist die Ansteckungsgefahr geringer als in geschlossenen Räumen. Hofft man zumindest.

Das übliche Händeschütteln blieb aus und stattdessen grüßte man sich mit gebührlichem Abstand. Aber das schimmste war, dass der Kiddusch, das gemeinsame Essen nach dem Gebet ausgefallen ist.

Dieser Modus wird sich jetzt wohl mindestens fünf Wochen so hinziehen.

Diese Corona-Krise betrifft inzwischen jeden Aspekt des öffentlichen Lebens. Ich kann gut verstehen, dass Leute in Panik geraten. Ich wünsche uns allen, dass wir die Zeit gut überstehen, mit alten Gewohnheiten brechen lernen, wo es nötig ist und uns dann um so mehr wieder auf sie freuen, wenn wir sie wieder neu beleben dürfen.

Schavua tov, eine gute Woche!

TAZ mag doch Rabbiner. Ein bisschen.

TazHeader
Screenshot TAZ.de

Die TAZ hat reagiert. Viele Zuschriften an die Redaktion, unter anderem von der Jüdischen Gemeinde in Hamburg, dem Zentralrat der Juden in Deutschland und vielen anderen, hat die TAZ zum Nachdenken gebracht. Viele haben dabei auch auf meinen Text verlinkt, auf den der TAZ-Text direkt Bezug nimmt.

Die TAZ beknirscht sich also und rudert zurück. Der ursprüngliche Artikel ist von der Webseite verschwunden und ein neuer Text mit Entschuldigungen und Erklärungen ist online. Ich habe Respekt davor. Fehler einzugestehen ist nie leicht, vor allem nicht öffentlich.

Allerdings war es in diesem Fall fast unausweichlich. Die inhaltlichen Fehler wie die falschen Personalien im Text mussten richtig gestellt werden. Auf die hatte ich mich in meinem Blog-Eintrag gar nicht bezogen, sie zeigen aber wie schlampig die Journalistin und die Redaktion gearbeitet haben. Daher verwundert es kaum, dass ihnen erst im Nachhinein aufgegangen ist, dass ein Wort wie „gleichgeschaltet“ zu benutzen grundsätzlich keine gute Idee ist und insbesondere im Zusammenhang mit Judentum in Deutschland mehr als eine einfache Entgleisung ist.

Die Entschuldigung dafür ist dementsprechend eindeutig ausgefallen. Das ist auch gut so. Aber für den Rest des Artikels finden sich Abwiegelungen und etwas fadenscheinige Relativierungen. So sagen sie zum Vorwurf, Chabad eine Nähe zur Siedlerbewegung in Israel angedichtet zu haben nur, dass Chabad sich eben auch nicht distanziert habe. Sie verlinken als Nachweis auf eine Seite von chabad.org, die sich unkritisch mit jüdischen Bewohnern Judäas und Samarias beschäftigt.

Ein Facebook-User wollte das nicht auf sich beruhen lassen und hat direkt nachgefragt, ob es Belege für die Behauptung gäbe. Die persönliche Antwort an ihn war eindeutig und ich vermisse sie im Artikel auf taz.de:

Lieber xxxxxxxxxxxxx,

leider haben wir keine Belege für die Behauptung, Chabad unterstütze „massiv radikale jüdische Siedler in den besetzten palästinensischen Gebieten“. Wir haben die Information, die in anderen seriösen Quellen und auch schon verschiedentlich in der taz unwidersprochen behauptet wurden, offenbar zu leichtfertig und ohne sie weiter auszuleuchten weiterverbreitet. Wenn Sie dazu Rückfragen haben, melden Sie sich gern.

Mit den besten Grüßen

Wie gesagt, ich freue mich, dass die TAZ Einsicht zeigt, wenn auch nicht die Autorin des Textes selbst. Dennoch bleibt es halbherzig und, wie die Überschrift „Die falsche Sprache benutzt“ zeigt: Es geht ihnen dabei hauptsächlich um die Form und nicht um den Inhalt.

Dass die TAZ diesen Text, wo es um Deutsche Juden in einer Deutschen Stadt, die in Deutschland Rabbiner ordinieren geht, in den Kontext „Schwerpunkt Nahost-Konflikt“ (siehe Screenshot) stellen, zeigt, dass dort noch einiges in der Redaktion an Denkarbeit zu leisten ist. Hoffen wir das Beste.

TAZ mag keine Rabbiner

Dammtor Bahnhof

Ganz in der Nähe des des Bahnhofs Dammtor in der Rothenbaumchausse befindet sich das Chabad Zentrum in Hamburg. Dort wurde mit der finanziellen Unterstützung des jüdischen Unternehmers Garegin Tsaturov das Rabbinerseminar „Or Jonathan“ etabliert. Das Publikationsnetzwerk sz:h hat einen schönen Artikel mit vielen Hintergrundinformationen dazu geschrieben. Ich werde daher die dort genannten Details hier nicht wiederholen.

Ich beim Morgengebet zu Gast im Chabad-Zentrum Hamburg

Der Landesrabbiner Shlomo Bistritzky leitet das Rabbinerseminar (Kollel). Er gehört der Chassidischen Gruppe Chabad an, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Jiddischkeit in die Welt zu tragen. Rabbi Shlomo kommt aus Israel und ist mit seiner Frau Chani vor Jahren nach Hamburg gekommen, um dort diesem Ziel und der Gemeinde zu dienen. Als Chabad-Mitglied hat er mit viel Gegenwind kämpfen müssen, vor allem aus dem alten Gemeindevorstand. Aber die Gemeindemitglieder mögen ihn. Sie mögen seine offene Art, die jedem das Gefühl gibt, willkommen zu sein. Was mich nicht überrascht, aber offenbar für manche unvorstellbar ist, es kommt auch ein Hamburger lesbisches Paar, von denen eine der Frauen eine Kippa trägt, gerne zu Rabbi Shlomos Veranstaltungen.

Unvorstellbar ist das offenbar für Petra Schellen von der TAZ. In ihrem Artikel schreibt sie daher gefühlte Wahrheiten (oder auch alternative Fakten) über Chabad und das Rabbinerseminar und gibt schulmeisterlich Ratschläge, wie die Juden in Deutschland und speziell Hamburg zu leben haben.

Ein paar Dinge will ich hier richtig stellen:

  1. Chabad ist orthodox, aber keine „ultra-orthodoxe Sekte“, wie Schellen behauptet. Eine Sekte separiert sich von Rest der Glaubensgemeinschaft. Chabad tut das Gegenteil. Für sich selbst wählen sie einen „ultra-orthodox“ anmutenden Lebensstil, aber sie erwarten von niemandem, das auch auf sich zu nehmen. Das kann ich aus eigener Erfahrung mit Chabad bezeugen.
  2. Chabad sei den Liberalen suspekt und will aus den Einheitsgemeinden „orthodoxe“ Gemeinden machen, schreibt Schellen. Die Einheitsgemeinden in den meisten Deutschen Städten sind seit je her orthodox geführt und dienen allen Juden, egal welcher Ausprägung. Wäre das nicht so, würde man Juden wie mich, die orthodox leben und Juden, die eine andere Entscheidung für sich getroffen haben, voneinander trennen. Das kann in niemands Interesse sein. Vor allem, da wir nur noch so wenige Juden in Deutschland haben. Chabad will und wird das nicht ändern. Wozu?
  3. Das Rabbinerseminar in Hamburg sei nicht nötig, schreibt Schellen weiter. Wie bitte? Wer entscheidet das? Es gibt nur ein Rabbinerseminar in Berlin, das orthodoxe Rabbiner ausbildet. Das ist genug für ein ganzes Land? Und Schellen entscheidet das auf welcher Grundlage? Das beste Gegenargument liefert sie sogar selbst: Alle Absolventen haben sofort eine Stelle gefunden. Bedarf scheint also da zu sein.
  4. Schellen kritisiert, dass die Studenten des Rabbinerseminars aus anderen Städten stammen. Wie absurd dieser Vorwurf ist, wird jedem bewusst, der sich seine Uni nach Inhalten und nicht nach Standort aussucht. Garegin Tsaturov hat das Seminar finanziert und sich für Hamburg entschieden. Ich kenne seinen persönlichen Grund dafür, aber der tut nichts zur Sache.
  5. Chabad unterstütze laut Schellen radikale Siedler in Israel. Das ist absolut falsch. Chabad ist unpolitisch. Das „Kvar Chabad“ in Israel (Chabad-Dorf) ist in der Nähe Tel Avivs neben dem Flughafen und weit weg von der „Grünen Linie“. Das hat sich Schellen einfach ausgedacht, um Chabad zu diskreditieren. „Siedler“ ist ein Schimpfwort unter Linken.
  6. Zu guter Letzt nimmt Schellen noch das Wirt „gleichgeschaltet“ in den Mund. So ekelhaft es ist, diese Bezeichnung zu verwenden, so sehr verwundert es, da sie doch weiter oben im Text kritisierte, dass es jetzt verschiedene Rabbinerseminare gibt.

Falls irgendjemand bei der TAZ das hier liest: Euer Text ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Und wenn ihn jemand antisemitisch nennt, dann werde ich nicht widersprechen. Ihr nennt ja auch jeden, den ihr nicht mögt einen Siedler. Totschlagargumente unter sich.

Update 25.5.2018

Die TAZ hat den Artikel kommentarlos offline genommen. Immerhin.

Salonkolumnisten: Klagen um die Mauer und den Felsendom

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Die Kotel in Jerusalem

Alles dreht sich um die Kotel und den Felsendom: Das Zerwürfnis der Amerikanischen Juden mit Israel, die diplomatische Krise mit Jordanien, die Angriffe auf Synagogen in der Türkei und das Schweigen der Europäer zu dem ganzen Irrsinn. Hier mein Kommentar dazu auf dem Autorenblog „Salonkolumnisten„:

https://www.salonkolumnisten.com/klagen-um-die-mauer-und-den-felsendom/

Burkiniverbot ist antisemitisch

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Mein Passfoto

Als ich nach der Hochzeit meinen deutschen Pass in Hamburg verlängern wollte, kam ich zum Einwohnermeldeamt mit meinem alten Pass, Passfotos und sonstigen Dokumenten. Nach langem Warten kam ich endlich zu einer Beamtin und gab ihr meine Unterlagen. Sie sagte wie aus der Pistole geschossen, ich könne auf dem Passfoto keine Kopfbedeckung tragen. Daraufhin erklärte ich ihr, dass gläubige jüdische Frauen nach der Hochzeit eine Kopfbedeckung tragen. Diese variiert vom Kopfband über Mütze bis zur Perücke. Die Beamtin schaute mich ungläubig und gleichzeitig begeistert an und sagte, sie müsse das überprüfen.

Nach einer Weile kam sie wieder und erzählte mir ganz begeistert, was sie darüber alles im Internet gefunden hat. Die Religionsfreiheit hat in meinem Fall gesiegt: Auf meinem Passfoto trage ich eine Kopfbedeckung.

Viele gläubige jüdische Frauen und Mädchen tragen Badeanzüge, die dem Burkini sehr ähnlich sehen. Daher ist der Burkiniverbot nicht nur ein Angriff auf die Religionsfreiheit der muslimischen Frauen, sondern auch der jüdischen.

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Koscherer Badeanzug für Frauen

Zwei große Diskussionen haben in den letzten Tagen und Wochen die Schlagzeilen beherrscht: Das Burkaverbot in Deutschland und das Burkiniverbot in Frankreich.

Wie passt es eigentlich zu unserer freiheitlich denkenden Gesellschaft, dass wir nur noch über Verbote sprechen? Manchmal kommt es mir vor, als wären unsere Grundrechte, etwa das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und die Religionsfreiheit, anderen, zweifelhaften Werten untergeordnet worden. Gibt es etwa ein Recht auf freie Fleischbeschau an Europäischen Stränden, von dem ich nichts weiss?

In der Burka sehe ich persönlich eine eindeutige Unterdrückung der Frau. Wenn man eine Frau religiös zwingt, ihr Gesicht komplett zu verdecken, macht man aus einer Frau einen Gegenstand, der nicht mit der Außenwelt kommunizieren darf. Das finde ich widerlich.

Beim Burkini ist aber eine ganz andere Geschichte. Wenn eine Frau aus religiösen oder aus irgendwelchen anderen Gründen ihren Körper am Strand nicht komplett zeigen möchte, hat kein Mann oder Polizist das Recht, sie zum Ausziehen zu zwingen. Was ist das für eine Frechheit?

In Israel gibt es jede Menge Frauen in Burkinis und koscheren Badeanzügen an den Stränden. Der eine oder andere guckt vielleicht komisch, doch man respektiert die Freiheit auf religiöse Ausübung.

Wieso führt man eigentlich so viele Debatten über Frauen? Lasst uns doch mal darüber sprechen, wie die Männer der zivilisierten Gesellschaften am Strand angezogen sind.

zerquetschte religiöse Gefühle

 

GE zerstört mutwillig Materialien aller Art (SPON berichtete). Sie sagen, das wäre alles im Dienste der Wissenschaft und nicht einfach ausgelebte Zerstörungsfantasien infantiler Wissenschaftler. Sogar ein Kiddusch-Becher (!!), den sie wahrscheinlich einer notleidenden jüdischen Familie geraubt (!!!) haben und die jetzt keinen Schabbat mehr feiern kann, wird 45.359,237 kg Druck ausgesetzt. Meine religiösen Gefühle sind buchstäblich zerquetscht!

GE, ich will eine Entschuldigung! Soooofoooort!

Auch gegen Tennisspieler, Skateboardfahrer, Golfspieler, Baseballer, Ernies Quietscheentchen, kleine Jungs und Zeichner scheinen sie was zu haben.

Gut, ich habe das wohl in den falschen Hals bekommen. Sie sagen, sie zerstören „Everyday Objects“, und dass da ausgerechnet ein Judaikum dabei ist und nichts von einer anderen Religion, ist doch schon schmeichelhaft.

Aber mooooooment! „Everyday Object“???? Kidduschbecher sind nicht für „everyday“, sie sind nur für Schabbat! Meine Gefüüüüühle!!! Die religiöööösen!!!

GE, ich will eine Entschuldigung! Soooofoooort!

Ok, ich hör‘ ja schon auf.

Beruflich in Madrid

Ich bin gerade beruflich in Madrid. Hier gibt es eine Synagoge mit täglichem Gebet für alle drei Gebete (Schacharit, Mincha und Maariv). Bei etwas 7k Juden in der Stadt ist das beachtlich.

Als ich dort zum ersten Mal um Einlass gebeten habe, um beim Morgengebet mitzubeten, musste ich durch die Sicherheitsschleuse. Sie verbirgt sich hinter der Tür im Foto. Die Überwachung mit Kameras vor der Tür, ist nicht zu übersehen, genauso wenig wie ich nicht vom Sicherheitspersonal beim Fotografieren übersehen wurde. Die Tür ist offen, weil gerade jemand herausgestürmt kommt, um mich an meinem Werk zu hindern.
Ich habe im Buch im Kapitel über die Synagoge darüber geschrieben, dass man wissen sollte, was der aktuelle Wochenabschnitt ist, wenn man unangemeldet in eine Deutsche Synagoge hinein möchte. Nunja, hier wurde ich nach meinem Pass, meinem hebräischen Namen, meinem Wohnort UND ausserdem nach dem Wochenabschnitt gefragt. Und als ich nach dem Gebet wieder gehen wollte und meinen Rucksack, den ich nicht mit hineinnehmen durfte wieder aus dem Spint herausschälte, da bat mich der Mann von der Sicherheit, meine Kippa nicht öffentlich zu zeigen. Es wäre zu gefährlich.
Sind die alle paranoid? Oder gibt es hier wirklich so viele gewaltbereite Antisemiten?

Irritierte Grüße aus Madrid!

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