Klaus Böhmermann

„Ey, der Böhmermann redet über Dich! Hier, ab Minute 5:20!“ Zu dieser Nachricht gab es noch den Link zu Spotify.

Hier in Israel gibt es diesen Dienst aber nicht. Das zugehörige App gibt es nicht mal im Appstore. Also bat ich meinen Bruder, mir das in Deutschland anzuhören und zu berichten. Er berichtete im Video:

 

Ich habe also Jan Böhmermann auf Twitter dazu gebracht, sich mit meinem Vater Wolf Biermann auseinanderzusetzen. Schön. Und „wortstark“ bin ich auch. Bei einem solchen Kompliment sehe ich mal über die etwas unqualifizierten Sprüche zu meinem Vater hinweg und freue mich über die Grimassen meines Bruders im Video.

Berliner feiern Israel

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Mein Vater auf der Party in Berlin

Letzten Donnerstag feierte Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman mit etwa 1300 geladenen Gästen den 68. Geburtstag Israels im Hotel InterContinental in Berlin. Es gab koschere Häppchen und einen „Überraschungsgast“, der redete und sang.

Er redete dabei auch über meine Frau, meine Kinder und mich:

 

 

 

 

Inzwischen lebt mein Sohn Felix Havemann in Tel Aviv mit seiner Frau und den beiden kleinen Söhnen. Zu meinem Kummer ist er zum Judentum konvertiert.  Der Chabad-Chassidische Rabbiner in Hamburg hat mit ihm zwei Jahre Thora gelernt.  Ich hatte versucht, mein viel zu altes Kind zu retten. Ich sagte: Mensch, Du bist jüdisch genug! Und außerdem ist es sehr unjüdisch, zum Judentum zu konvertieren! Die Juden missionieren doch nicht! Im Gegenteil! Aber zum Glück hat der Sohn nicht auf seinen gottlosen Vater gehört. Ich sehe es ja nun: zu seinem Glück. Er ist längst ein modern orthodoxer Israeli geworden. Und als ich am Anfang dem Amos Oz meinen Kummer klagte, lächelte er abgeklärt und sagte: „Mach Dir keine Sorgen, wenn Dein Felix hier bei uns in Israel lebt, wird er ganz schnell ein ganz normaler Jude.“ Genau so ist es auch gekommen, und ich bin inzwischen glücklich damit, denn nun ist mein Freundes-Land Erez Israel auch mein Sohnes-Land geworden

Ja, er hat zu 100% recht! Es ist mein Glück! Ich lebe in einem wunderbaren Land mit einer wunderbaren Frau und zwei wunderbaren Kindern. Und meine Religion gibt mir den Halt und die Disziplin, die ich brauche, um ein guter Vater und Ehemann zu sein (der ich hoffentlich bin).

Und dass mein Vater mich als religiösen Menschen einen „ganz normalen Juden“ nennt, macht mich sehr glücklich. Nichts anderes will ich sein.

Altermedia – Brauner Sumpf

Der braune Sumpf auf der Webseite „Altermedia Deutschland“ ist nicht nur nichts Neues, es ist nicht mal besonders originell, was man dort so lesen kann. Vorausgesetzt, man hat eine IP-Adresse aus Deutschland. Ich wurde mit meiner israelischen IP ausgesperrt. Vielleicht hoffen die Betreiber, deren Server in Russland steht, so unter dem Radar der israelischen Hackerszene durchzutauchen? Für einen wenig begabten Netzwerktechniker ist es aber problemlos möglich, auch hier eine deutsche IP zu bekommen und so habe ich dann doch noch nachlesen dürfen, was für einen Müll die dort über meinen Vater schreiben. Es fallen Worte wie „Judensau“ und „Reb Biermann“ oder ganz einfach „Arschloch Biermann“. Auf ekelhafte Weise wird sein Vater, mein Großvater, der in Auschwitz ermordet wurde, verhöhnt. Meinem Vater wird ausserdem zur Last gelegt, dass sein Sohn (ich bin gemeint) ein „synagogaler Jude in Jerusalem“ sei. Zum Ende wird noch fabuliert darüber, ob man ihn besser mit Kaliber 9mm, 10mm oder mit einer „38 spezial“ erschiessen sollte. Bis nach Jerusalem reichen diese Waffen nicht, aber in Deutschland sind sie eine echte Gefahr, wie die NSU-Morde gezeigt haben. Habe ich nach dieser unverhohlenen Morddrohung Angst um meinen Vater? Oder um mich selbst, wenn ich mal in Deutschland zu Besuch bin? Nicht mehr als sonst. Diese Nazis sind ja meist nur feige Maulhelden.
Die Kommentare unter dem Artikel von den selbsternannten „reinrassigen“ Deutschen sind nicht nur in radebrechendem Deutsch geschrieben, sondern auch uneins darüber, ob mein Vater nun Jude sei oder nicht. Ausserdem wird diskutiert, ob er nicht trotz allem Recht hat mit seiner Kritik an der Partei „Die Linke“ (hat er!). Von den meisten Kommentatoren jedoch wird er ausschliesslich an den „Nürnberger Gesetzen“ gemessen, nach denen er ein „Vierteljude“ sei und daher sei es bedauerlich, dass die „ach-so-böse Gestapo damals keine Nägel mit Köpfen gemacht“ hat. Immerhin: Der Judenmord im 3. Reich wird nicht geleugnet. Das ist doch schon mal was.
Aber: Diese antisemitischen Ausfälle müssen angezeigt werden. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass die Autoren gefasst werden oder die Seite vom Netz genommen wird, durch die Anzeige wird der Judenhass aktenkundig. Und damit erscheint er in Statistiken und nach denen wird agiert und auch regiert. Und das gilt für jeden: Wer antisemitisch beschimpft wird, anzeigen! Egal, ob man damit den Täter belangt oder nicht!

P.S.: Nein, den Artikel auf der braunen Seite werde ich nicht auch noch verlinken!