Gmar Chatima Tova!

Gmar Chatima Tova!

Morgen ist Erev Yom Kippur und wir bereiten uns auf den wichtigsten Tag im Jüdischen Jahr vor, den Fasttag Yom Kippur, den wir übermorgen begehen.
Ich gehe normalerweise am morgigen Tag in die Mikve für ein rituelles Bad. Dieses Jahr wird daraus nichts, denn meine Finger der rechten Hand sind mit einem Verband fixiert. Ich hatte heute einen Unfall mit dem Fahrrad und habe mir den rechten Mittelfinger ausgekugelt.
Es tat sehr, sehr weh. Aber es war doch schön zu erfahren, wie sich um mich gekümmert wurde. Meine Arbeitskollegen waren sofort zur Stelle, Wildfremde baten Hilfe an und mein Chef begleitete mich ins Krankenhaus und fuhr mich danach noch nach Hause.
Alles wird gut. Wir werden morgen uns besinnen auf das, was wichtig ist. Und das ist doch die Gesundheit und der Zusammenhalt zwischen den Menschen. Beides wurde mir heute durch den Unfall vor Augen geführt.

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Unter Belagerung

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Der Tempel in Jerusalem als Modell (Israel Museum)

Heute ist nach dem jüdischen Kalender der Zehnte Tevet, der Tag der Beginn der Belagerung Jerusalems durch Nebuchadnezzar, die zur Zerstörung des ersten Tempels führte. Wir fasten und beten viel. Es ist ein nationaler Trauertag. Wer nicht weiss, zu welchem Datum seine Verwandten etwa im Holocaust tatsächlich ermordet wurden, kann heute das Trauergebet, das Kaddisch, für sie sagen, das üblichweise am Tag der Yahrzeit, also am Todestag nach dem jüdischen Kalender gesprochen wird.

Ich faste nicht gerne. Und heute fühle ich mich auch sonst nicht besonders fit. Daher hätte ich Grund genug, diesen doch nachrangingen Fastttag ausfallen zu lassen und mit den Kollegen Essen zu gehen, wie jeden Tag.

Aber Asara BeTevet, wie der Tag auf hebräisch heisst, ist doch ein besonderer Fasttag. Würde er auf einen Schabbat fallen, was er niemals tut, dann würden wir am Schabbat fasten. Das ist bei allen anderen Fasttagen bis auf Yom Kippur nicht so. Der Grund ist, dass wir damit nicht einem Unglück, das an diesem Tag passierte gedenken, sondern wir einem zukünftigen entgegenwirken wollen. Zwischen der Belagerung und der Zerstörung des Tempels lagen Jahre. Heute gilt daher der Tag als der Tag des Gerichts, an dem G-tt entscheidet, ob der Tempel dieses Jahr wieder erbaut werden wird.

Auch heute wird Jerusalem belagert. Von BDS-Idioten, von Messerstechern, von der Hisbollah im Norden, der Hamas im Süden und von Osten droht der IS. Und wir sitzen hier und warten nicht darauf, dass die Belagerung erfolgreich sein wird. Wir wehren uns.

Und wir fasten.

Yom-Kippur-Selfie

In den letzten Wochen kam ich nicht dazu, einen Gut-Schabbes-Selfie zu posten und nicht mal dazu, ein schönes neues Jahr zu Rosch Haschanah zu wünschen! Es tut mir leid. Bitte verzeiht mir!
Und indem ihr das tut, habt ihr schon eine Mizwa zu Yom Kippur erfüllt: Denn an diesem Tag vergibt uns G-tt unsere Sünden, die wir vor ihm begangen haben und wir vergeben unseren Freunden, Bekannten und unserer Familie, falls sie uns etwas getan haben. Denn G-tt kann eine unkoschere Mahlzeit und auch einen gebrochenen Schabbat verzeihen, aber nicht eine gekränkte Freundin oder einen betrogenen Partner. Darum müssen wir uns schon selbst kümmern!
Um sich auf den Tag der Vergebung vorzubereiten, steigen Männer am Tag vor Yom Kippur in das rituelle Bad, die Mikve. Auf dem Foto erkennt man es im Hintergrund. Mein verstohlener Blick lässt erahnen, dass ich nicht erwischt werden wollte, dieses Foto in dem so intimen Bereich zu machen, aber es war gerade wirklich niemand ausser mir da. Vor mir war eine Schlange und nachdem ich wieder raus war, kamen noch mehr Männer, sich von ihren Verfehlungen spirituell zu reinigen. Ich hatte also Glück.
Und Glück gehört zum Leben einfach dazu. Ich wünsche euch allen auch viel Glück und ein glückliches Händchen dabei, euren Freunden und Verwandten und anderen Menschen um euch herum zu verzeihen und dass auch euch verziehen wird und ihr freudig das neue Jahr begehen könnt!
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