#Cyberklär: Was taugt das digitale Corona-Impfzertifikat vom RKI?

Endlich gibt es ein fälschungssicheres, digitales Corona-Impfzertifikat vom Robert-Koch-Institut in Deutschland! Aber was taugt es und wo liegen die Probleme?

Eine Apothekerin erzählt (lesenswerter Twitter-Thread):
https://twitter.com/Samina_Mich/status/1404916574063108098?s=20

Hier gibt es die RKI-App, mit der jeder Zertifikate prüfen kann:
https://digitaler-impfnachweis-app.de/

APIs zum Dekodieren von Impfzertifikat-QR-Codes:
https://github.com/Digitaler-Impfnachweis/certification-apis/blob/master/dgc-certify-api.yaml

#Cyberklär: Was ist der Deutsche „Staatstrojaner“ und ist er eine Gefahr?

Mein Youtube-Kanal #Cyberklär widmet sich den Cybernews der letzten Wochen und erklärt Zusammenhänge für Zuschauer, die nicht tief in der Materie stecken. Heute:

Was ist der Deutsche „Staatstrojaner“ und ist er eine Gefahr?

Das Video ist dieses mal länger geworden als geplant. 11 Minuten erklären:
– Was ist ein Trojaner
– Wer hat den Staatstrojaner gebaut
– Kann ich mich schützen oder was kann ich tun?

Weitere Informationen gibt es hier:

Offensive Security aus Israel: https://www.br.de/nachrichten/deutsch… Petition: https://digitalcourage.de/staatstrojaner

#Cyberklär: Haben Apple und Google Hildmann auf Telegram gesperrt?

Mein Youtube-Kanal #Cyberklär widmet sich den Cybernews der letzten Wochen und erklärt Zusammenhänge für Zuschauer, die nicht tief in der Materie stecken. Heute:

Haben Apple und Google Hildmann auf Telegram gesperrt?

Der Telegram Kanal des Vegan-Hetzers wurde nur auf Apple Geräten und Android mit offiziellem Google Store gesperrt. Daher entstanden Fragen wie: Können die beiden Tech-Giganten in Inhalte eingreifen und Zensur üben? Aber seht selbst:

Israel Airmail

Ein ausgetragenes T-Shirt mit Erinnerungen

Es war 1995. Ich war im Kibbutz Shefayim im Zentrum Israels ein „Mitnadev“. Das kann man als „Volontär“ übersetzen und in Wirklichkeit hat man einfache Arbeiten erledigt und dafür Kost und Logis bekommen. Die Kost teilte man sich mit den Rest der Kibbutznikim, also der Bewohner des Kibbutz und die Logis waren sehr, sehr einfache Zimmer.

Auf diesen Fotos kann man erahnen, wie schäbig die Zimmer tatsächlich waren:

Eliyah in seinem Kibbutzzimmer

Es waren die einzigen Zimmer im gesamten Kibbutz, die keine Klimatisierung hatten. Aber wir Volontäre hatten dennoch eine Menge Spaß. Der Pool stand uns offen, das Mittelmeer war in Laufweite und der Kibbutz war ein kleines Paradies. Ein Mal im Monat bekamen wir Taschengeld und eine touristische Tour zu einem Touriziel in Israel. Ich war am Toten Meer, in stinkenden Heilquellen im Norden, in der Wüste, in Jerusalem und vielen anderen Orten.

Und wir bekamen ein Kontingent an Air-Mail Briefen. Das waren ausgestanzte DIN-A4 große Zettel, die man auf einer Seite beschreiben konnte und dann gedrittelt gefaltet hat und zusammengeklebt hat. Sie waren fertig frankiert für Luftpost in jedes Land der Welt (mit diplomatischen Beziehungen zu Israel) und konnten mit der Adresse beschriftet, aber ohne weiteren Inhalt in den Briefkasten geworfen werden.

Damals gab es kein Email und Fax konnte man nur im Hotel empfangen und verschicken. Diese Briefe waren unsere Kommunikationsbrücke nach Hause. Und auf den Briefen prangte das Luftpost-Logo der Israelischen Post. Das Logo selbst ist ein über die Jahre immer weiter modernisierter Hirsch in Anlehnung an die Torah. Für die Luftpost sind dem Hirsch Flügel gewachsen. Als ich also dieses Shirt sah, musste ich es mir kaufen. Und das könnt ihr jetzt auch:

https://shop.spreadshirt.de/eliyahhavemann/israel+vintage+air+mail-A60bbd54da0e65446eba2baa6

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Business Intelligence vs. Artificial Intelligence

As not many readers of this blog know, my day job is being a product manager in the Israeli high tech industry. And as such, I need to decide how to use modern technology in the products I manage. Today I want to speak about BI vs. AI and what this is all about!

No recent product on the market ever advertised it’s capabilities with „Business Intelligence powered“. If you want to be on top of things, your product has to have „Machine Learning“ (ML) and „Artificial Intelligence“ (AI) as as buzzwords in the description, to gain attention. So simple BI is like the last years best friend we now don’t want to be acquainted with any more. Old fashioned stuff in the fast evolving world of high-tech and big data.

To understand the differences between the two and where Machine Learning (ML) fits in all of this, we need to understand those three terms. Let’s try to explain on very high level what each one means.

Machine Learning (ML)

A machine, more precisely a computer with programmed algorithms, uses automated learning to improve results. Most times it is used to improve accuracy of predictions it makes based on history data. It’s doing so by changing weights of significance for the model the data provides inputs for.

A key part of ML is a validation of predictions. The algorithm needs a feedback about whether the prediction it made was correct. The feedback can be based on manual input, measurement like increased click-through rates or compliance with rules, e.g. in games like Chess and Go: If I won, I made the right decisions on the way.

Predictions can be found everywhere in modern computing. Even within processors that predict upcoming tasks and fulfill them with free cycles to increase overall performance. This is why the value of ML is huge.

Artificial Intelligence (AI)

Intelligence is the capability to make informed decisions based on information, without a precise algorithm. Our brain is performing this in split seconds. Computers working on these tasks use virtual neural networks, that mimic the function of a brain to achieve this. The range of neurons used in real life applications go from as little as two neurons to millions. I once managed a product that used 4 neurons to make informed AI decisions. This is seems very little, but the complexity of the problem it needed to solve was low enough to get extremely good results with 4 neurons.

In many cases, but not all cases, AI works in conjunction with ML and marketing materials often mix up the two.

Business Intelligence (BI)

When working with data, in order to make sense out of it, you need more processing power a human brain can provide. The term „Big Data“ underlines this challenge. But to understand data, you need intelligence. Business Intelligence. This intelligence is provided by the human sitting in front of the BI system, that then allows quick and contextual access to all the data available. The rules how to contextualize the data is not calculated, it is invented and defined by the professional using BI to achieve goals and automate data driven tasks. BI can even be combined with ML without any AI involved.

And yes, we humans are still often better than computers in that. We still understand data better than computers, we just don’t have the power to collect it and analyze it in our brains. This is what we use BI for.

So in many cases, and I am going as far as saying: in most cases, human understanding of data is better than the one of AI. We never start from zero and can create immediate results that make sense and can be used right away. AI can and will take over from there. In the not so distant future. But we as humans and our experience are still needed. Isn’t that a good feeling?

First published on LinkedIn

We Remember – meine Familie

Heute gedenken wir den Opfern des Holocaust. Deshalb möchte ich nicht nur mich zeigen, sondern das, was von meiner Familie nach dem Holocaust übrig geblieben ist.

Meine Urgroßeltern Mussi und Aba, beide in der Ukraine aufgewachsen, konnten der Vernichtung entfliehen, weil mein Uropa in der sowjetischen Armee gegen die Deutschen gekämpft hat und in Sibirien stationiert war.

Der größte Teil ihrer Familien wurde umgebracht, erschoßen oder lebendig begraben, von den Deutschen Einsatzgruppen.

Nach dem Holocaust und dem zweiten Weltkrieg sind sie mit meiner Oma und Großtante in die Ukraine zurückgekehrt, weil meine Oma dort Medizin studieren wollte.

Mein Uropa ist zwei Jahre vor meiner Geburt gestorben und ich konnte ihn nicht kennen lernen. Bis heute schwärmt meine Mutter von ihm. Er war wohl ein sehr aufmerksamer und zärtlicher Großvater.

Meine sehr taffe Uroma hat bis zu ihrem Tod 2012 sehr viel über den Krieg und den Holocaust erzählt. Ich kann mir nicht vorstellen, wie schmerzhaft es für sie gewesen sein musste zu erfahren, dass ihre Familie fast komplett lebendig begraben wurde.

Sie ist dennoch 1996 mit uns nach Deutschland ausgewandert, weil sie der Überzeugung war, dass das neue Deutschland anders ist.

Diese Weisheit habe ich sehr bewundert.

Ich bewundere aber auch alle aus dieser kleinen Familie. Alle haben große und gesellschaftlich wichtige Organisationen und Projekte auf die Beine gestellt.

Heute gedenke ich dem sehr großen Teil meiner Familie, die umgebracht wurden, weil sie Juden waren.

#We Remember!

Liebes 2020,

Liebes 2020,

es war schön und schön, dass es war, würde eine Freundin aus Hamburg sagen. So fühle ich mich. Ich meine, wir leben seit 2010 in Israel und haben schon Kriege miterlebt und doch haben wir dich nicht kommen sehen.

2020, du hast mir so viele tolle und erfolgreiche Erfahrungen gegeben, du hast mir aber auch viel Schmerz und Angst zugefügt.

Als du kamst, 2020, war ich voller Vorfreude. Zusammen mit meiner großartigen Co-Founderin vom Media TLV, Susanne Glass, haben wir im März den ersten israelisch-europäischen Mediengipfel im Herzen von Tel Aviv geplant. Du hast uns verletzt, als wir kurz davor, es absagen mussten. Aber wir haben uns nicht unterkriegen lassen. Wir wollten es dir beweisen. Wir schaffen es auch mit den Steinen, die du, 2020, uns in den Weg legst. Denn der Kampf für Demokratie treibt Susanne und mich an und nicht die Angst vor dir. Also haben wir den Media TLV online gemacht. Da warst du überrascht, oder?

Auch für unsere Familie hast du Kummer gebracht. Aber auch Nähe.

Vor Frust habe ich geweint, weil es unmöglich war, mit drei Kindern zu Hause zu arbeiten und den Kindern Bildung zu geben, auch zu Hause.

Du, 2020, hast uns aber auch gezeigt, wie viel Spaß und Nähe mein Mann, unsere Kinder und ich haben. So viel intensive Zeit hatten wir schon lange nicht mehr, wahrscheinlich noch nie.

Du hast mich motiviert, neue Projekte auszuprobieren.

Ich habe Online Shows gestartet, eine davon mit Sarah Fantl. Kurz bevor du abhauen konntest, haben wir sogar noch ein Podcast gestartet. Nicht schlecht, oder?

Auch mein Unternehmen ist gewachsen, und das obwohl du da warst. Dir, 2020, zum Trotz haben wir neue Partnerschaften geschlossen. Wir sind dir dankbar für den Arschtritt bei der einen oder anderen Business Entscheidung. Wir sind aber auch froh, wenn du endlich gehst.

2020, du hast uns unsere Eltern nicht sehen lassen, weil sie in Deutschland sind. Dafür sind wir echt sauer auf dich.

Aber wie dieser kitschige Spruch schon sagt, nach dem Tief kommt ein Hoch. Und davon planen wir so einige.

Also Tschüß, 2020, wir werden dich nicht vergessen aber auch nicht vermissen.

Jude, Zionist und #BlackLivesMatter. Ein Widerspruch?

#blacklivesmatter in meinem Twitterprofil

Als George Floyd im Mai dieses Jahres von einem Amerikanischen Polizisten ermordet wurde, gab es einen weltweiten Aufschrei. „I can’t breathe!“ stand als Graffiti an den Wänden und die Hashtags #BLM und #BlackLivesMatter trendeten weltweit in den Sozialen Medien.

Auch mich hat das Schicksal von George Floyd berührt. Nicht nur seinetwegen. Seine Ermordung hat ein grelles Scheinwerferlicht auf den strukturellen Rassismus in Amerika geworfen und die weltweite Bewegung, die daraus entstand, hat auch in anderen Teilen der Welt und in Deutschland dafür gesorgt, dass rassistische Strukturen in der Gesellschaft allgemein und in der Polizei im speziellen, stärker ans Tageslicht kamen. Es ist kein Wunder, dass ausgerechnet 2020 die diversen Nazi-Chatgruppen deutscher Polizisten entdeckt wurden. Menschen sind sensibilisiert und hatten den Mut, sie öffentlich zu machen.

Auf Twitter, wo ich zu viel Zeit verbringe, habe ich „Black Lives Matter“ in meinen Header mit aufgenommen. Seit über einem halben Jahr ist er da drin und ich habe mehrfach überlegt, ihn zu entfernen. Schließlich werden gerade andere Säue durchs Dorf getrieben und Themen wie Moria und natürlich der immer gewalttätiger zum Vorschein tretenden Antisemitismus sind mir auch nah und wichtig. Aber ich habe mich dagegen entschieden. BLM bleibt leider immer aktuell.

Ich wurde deswegen mehrfach auf Twitter angegangen. Von linken Antizionisten sowie von rechten Israelis. Beide finden, BLM und Zionist kann man nicht gleichzeitig sein. Warum nicht?

Die Antizionisten glauben, der Zionismus wäre eine rassistische Ideologie und daher inkompatibel mit BLM. Das ist natürlich Quatsch. Deswegen juckt mich dieser Vorwurf auch gar nicht. Schwerer wiegt da der Vorwurf der anderen Seite, die mich darauf hinweisen, dass unter den BLM Aktivisten auch viele Antisemiten den Ton angeben.

Der strukturelle Rassismus ist ein Problem, das jeden Menschen mit Nicht-weißer Hautfarbe betrifft. Egal, ob er Antisemit ist, oder nicht. Ich werden meine Unterstützung für diesen wichtigen Kampf nicht davon abhängig machen, ob Antisemiten bei BLM beteiligt sind oder nicht. Es gibt auch rassistische Juden, und dennoch freue ich mich über jede PoC, die den Kampf gegen Antisemitismus unterstützt.

„Aber die Querdenker lehnst Du doch auch ab, weil dort Nazis mitlaufen!“ – Ja. Sie laufen dort aber nicht nur mit, die ganze Idee der Querdenker ist eben keine einfache, legitime Kritik an Coronamaßnahmen der Bundesregierung, sie beruht auf antisemitisch aufgeladenen Verschwörungsmythen und die Nazis sind ideell bei diesen Demos zuhause. Ein antisemitischer BLM-Aktivist dagegen agiert im Grunde gegen seine eigenen Interessen.

Rassismus und Antisemitismus sind nicht das selbe. Ganz und gar nicht. Die Diskriminierungserfahrungen sind andere und die Mechanismen sind es auch. Als hellhäutiger Jude kann ich als „white passing“ vom Privileg, weiß zu sein profitieren, was PoC nicht können. Andererseits ist Antisemitismus im Kern eliminatorisch und zielt auf die „Endlösung“, während Rassismus die (erneute) Versklavung und Unterwerfung von PoC anstrebt. Gemeinsam haben sie, dass beides ist für einen direkt Betroffenen regelmäßig tödlich ist und die Schnittmenge der Antisemiten und Rassisten ist riesig. Wir haben einen gemeinsamen Gegner. Natürlich müssen wir uns gegenseitig beistehen.

Es ist schon ein paar Jahre her, da habe ich in der WELT einen Artikel veröffentlicht, der den Titel hat „Israel zeigt, dass ethnisches Profiling hilft„, der zuerst hier im Blog erschien. Es war 2016, um genau zu sein, und damals wurde Europa von vielen islamistischen Anschlägen erschüttert. Im Text geht es um ein Einkaufszentrum in Jerusalem, in dem ich regelmäßig war und das von Juden und Arabern gleichermaßen besucht wird. Die Araber aber werden genauer kontrolliert, wenn sie das Zentrum betreten wollen. Ich bin mit dem Titel des Artikels auf welt.de nicht einverstanden. War ich schon damals nicht, aber die Redaktion hat ihn eigenmächtig gesetzt. Ich hatte einen anderen gewählt. Und ich würde den Text heute auch nicht mehr so schreiben. Die redaktionelle Verkürzung in der WELT hat den Text zusätzlich noch verschärft. Ich verstehe heute einiges besser, auch dank einiger toller Menschen, die ich auf Twitter kennengelernt habe, und die islamistischen Anschläge von damals belasten mich emotional nicht mehr so direkt. Dennoch kann und will ich mich nicht komplett von diesem Artikel distanzieren.

„Wie kannst Du Racial Profiling gut finden und #BLM im Header haben? Heuchler!“ So wurde es mir vorgeworfen. Dazu muss ich sagen: Ich habe damals bewusst von „Ethnischem Profiling“ gesprochen. Juden und Araber sind äußerlich nur durch Kleidung und Sprache zu unterscheiden und nicht anhand irgend welcher eingebildeten Menschenrassen. Und außerdem, wenn man den Text wohlwollend liest, dann steht dort eigentlich: Ethnisches Profiling funktioniert nicht außerhalb dieses Spezialfalls des Einkaufszentrums in Jerusalem, wo nach der harten Kontrolle an der Tür eben keine Unterschiede mehr gemacht werden und Juden und Araber zusammen mit der ganzen Familie bequem shoppen gehen und ihr Essen essen. Racial Profiling ist ethisch falsch und praktisch unbrauchbar. Ohne Ausnahme.

Also ja. Ich unterstütze #BLM. Ich werde es weiter tun. Und ich kenne meine Privilegien. Als „white passing“ in Europa und als Jude in Israel. Denn wer seine Privilegien nicht begreift, wer sich selbst nicht reflektiert, dessen Unterstützung ist sowieso nicht viel wert.

Merry X-mas und frohe Y-nachten 2020

weihnukka-kippa

Wir Juden haben heute Abend unsere fünfte Chanukkah-Kerze gezündet. Das Wissen um das Judentum in Deutschland steht im krassen Kontrast zum Interesse der Menschen daran! Das hat Marina Weisband und mich dazu gebracht, eine Reihe von Videos unter dem Namen #FragEinenJuden herauszubringen. Und in diesem Geiste haben Jenny und ich mit tatkräftiger Unterstützung der Kinder ein Video zu Channukah aufgenommen:

Dieses Jahr sind wir dank des hebräischen Kalenders schon lange fertig mit Chanukkah, wenn die Christen ihr Weihnachten feiern. Ich wünsche schon jetzt allen, die es feiern, von ganzem Herzen: Frohe Weihnachten!

Diese Wünsche sind in in diesem Jahr überschattet von dem Lockdown, der coronabedingt das Weihnachtenfeiern in Deutschland stark einschränkt. Ich selbst vermisse Weihnachten nicht, kann mir aber gut vorstellen, dass es vielen Menschen nah geht, ihren Liebsten nicht nah sein zu können.

Mein Freund Matthias antwortete mal auf die Frage, wie er und seine Familie denn Weihnachten feiern werden: Wir essen viel, streiten uns und schenken uns Dinge, von denen wir in spätestens zwei Wochen wissen, dass wir sie nie gebraucht haben. Also, so oder so ähnlich hat er es gesagt.

Und so ähnlich habe ich auch Weihnachten in meiner Kindheit in Erinnerung. Streit und Essen gab es quasi immer. Geschenke auch, um die es dann auch oft noch mehr Streit gab. Der Baum war hübsch, das Essen gut, immerhin.

Der Name des Festes ist interessant. Hier eine Tabelle in verschiedenen Sprachen:

Sprache Wort Bedeutung
Englisch
Christmas
Christus (Messias) Fest
Französisch Noël Geburtsfest
Spanisch Navidad Geburtsfest
Hebräisch (Chag HaMoled) חג המולד Geburtsfest
Italienisch Natale Geburtsfest
Dänisch Jul Germanischer Kalendermonat Dezember
Holländisch Kerstmis Christus (Messias) Fest
Deutsch Weihnachten Chanukkah

Die meisten Sprachen nennen das Weihnachtsfest nach dem, was der Überlieferung nach passiert ist: Der Messias (Christ) wurde geboren. Schließlich feiert man seinen Geburtstag (und acht Tage später, nach guter jüdischer Tradition, seine Beschneidung am 1. Januar). Die Dänen stechen heraus, da sie den Festnamen am Kalender fest machen. Und die Deutschen? Die nennen ihr Lichterfest im Winter einfach Chanukkah!

Das hebräische Wort Chanukkah bedeutet Weihe. Es geht dabei um die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem nach der Entweihung durch die Griechen. Zur Weihung braucht man Olivenöl für den Leuchter und davon war nur noch so wenig da, dass es nur einen Tag gereicht hätte. Aber wie durch ein Wunder, hielt das Öl ganze acht Tage. So lange hat es gedauert, neues Öl zu besorgen.

Das ist in etwa so, wie wenn ihr morgens auf dem Smartphone noch 10% Batterie habt, aber es dennoch den ganzen Tag durchhält.

Warum ich das erzähle? Damit deutlich wird, dass nicht nur der Name fast gleich ist, auch die Bräuche von Weihnachten in Deutschland und Channukkah ähneln sich stark:

  • Datum: Beides wird am 25. des Monats gefeiert, der im jeweiligen Kalender üblicherweise in die Wintersonnenwende fällt. Also 25. Dezember oder 25. Kislev.
  • Abends: In den meisten Ländern wird am 25. tagsüber beschert. In Deutschland aber am 24. Abends. Jüdische Tage und damit auch Feiertage wie Chanukkah beginnen abends.
  • Kerzen 1: Die Chanukkah-Kerzen müssen ins Fenster gestellt werden, da ihr Zweck die öffentliche Verkündung des Chanukkah-Wunders ist. In Deutschen Haushalten werden zu Weihnachten die Fenster traditionell mit Kerzenständern und anderen Lichtern geschmückt.
  • Kerzen 2: Jeden Tag während des acht Tage andauernden Chanukkahfestes zündet man eine zusätzliche Kerze. Im Advent zündet man jeden Adventssonntag eine weitere Kerze.
  • Adventskalender: Auch hier werden die Tage gezählt, genau wie bei den acht Chanukkah-Kerzen.
  • Geschenke: Auch an Chanukkah bekommen die Kinder Geschenke oder einfach Chanukkah Gelt (mit t, weil es jiddisch ist) und man isst Karotten in Scheiben, die an Geldstücke erinnern sollen.
  • Familie: An Chanukkah feiert man mit der ganzen Familie. Jeder bekommt seinen eigenen Leuchter. Weihnachten ist ein Familienfest.
  • Glühwein: Zugegeben, eher eine zufällige Parallele. Juden trinken eigentlich zu jedem Anlass Wein.
  • Weihnachtsmann: Also, wenn Du mich fragst, sieht der aus wie ein Rabbi, dessen Klamotten rot gefärbt sind. Und daran ist ja nur Coca Cola (koscher) schuld (ich weiß, stimmt nicht). Und Bommelmützen tragen die Anhänger von Rabbi Nachman auch.
  • Messias: Das ist vielleicht ein wenig weit hergeholt. Aber hey, warum nicht, es geht schließlich um Religion, da ist argumentativ meist kein Weg zu weit. Chanukkah feiert das Olivenölwunder und das hebräische Wort Moschiach (Messias) bedeutet: Der Gesalbte. Die Salbung erfolgt mit Olivenöl.
  • Essen: Immer im Januar sind Frauen- und Männerzeitungen voll mit Diättipps. Im Rest des Jahres zwar auch, aber im Januar geht es im Besonderen darum, den sog. Weihnachtsspeck wieder los zu werden. An Chanukkah essen wir lauter in Öl gebratene oder gebackene Dinge: Kartoffelpuffer, Berliner (Pfannkuchen, Kreppel, etc.), gebratene Karottenscheiben (s.o.) und vieles mehr. Das Öl setzt sich dann im Körper gerne als Hüftgold ab.
  • Ch: Christkind und Channukkah fangen beide mit „Ch“ an. Das ist wohl eher zufällig und es ist deshalb eine Erwähnung wert, weil viel zu viele Menschen unser Fest falsch aussprechen. Das Ch klingt wie das in „Bach“. Und wenn ihr das nicht endlich lernt, sage ich ab heute „Schristkind“

Wie eng und vor allem, wie viel enger als andere Völker die Deutschen und die Juden bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts zusammengelebt haben, erahnt man, wenn man sich diese Parallelen ansieht. Nicht umsonst ist das alte hebräische Wort für Deutschland „Medinat Aschkenas“. Aschkenasen sind die nord- und osteuropäischen Juden.

Ich wünsche allen, die dieses Fest feiern, dass es besinnliche Tage werden, mit schönem Baum, sinnvollen Geschenken, wenig Streit und gutem Essen!

P.S.: Zugegeben, dieser Text erschien fast wortgleich bereits letztes, vorletztes, vorvorletztes, vorvorvorletztes und vorvorvorvorletztes Jahr, aber warum ihn so weit unten im Blog versauern lassen, wenn er doch heuer wieder so gut passt!

P.P.S.: Noch mehr Weihnachtsfunfacts gibt es auf Twitter!