Simchat Grundgesetz

Heute feiern wir Juden Simchat Torah. An diesem Tag freuen wir uns, dass wir die Torah, unser Gesetzt erhalten haben. Wer es noch rechtzeitig heute Morgen in eine Synagoge schafft, sollte sich das Spektakel ansehen. Wir nehmen alle Torah-Rollen aus dem Schrank und tanzen und singen mit ihnen durch die Synagoge. Die Lautstärke ist ohrenbetäubend obwohl keine Instrumente, Mikrofone oder andere Hilfsmittel verwendet werden. Und die Freude ist groß.

Dabei ist die Torah ein Gesetzbuch, das uns vieles verbietet: Schweinefleisch essen, am Schabbat Auto fahren, heiraten wen wir wollen und vieles mehr. Warum tanzt man mit so einem restriktiven Buch, das auch noch drakonische Strafen wie eine Steinigung kennt (die, nebenbei bemerkt, seit 3000 Jahren nicht mehr Anwendung findet)?

Die Jüdische Religion ist von Anfang an darauf aufgebaut, dass es neben Juden noch andere Menschen mit anderen Religionen gibt. Daher missionieren wir nicht. Für diese anderen Menschen kennen auch wir Gesetze, nämlich die „Sieben Gesetze Noach“. Noach, das war der Kerl mit der Arche.

Diese Sieben erinnern stark an die Zehn Gebote. Eines davon aber ist besonders: Es besagt „Du sollst ein Gesetz und Gerichte etablieren“. Welche das sind, wird nicht genauer spezifiziert. Daher ist auch das Deutsche Grundgesetz durch die Torah legitimiert.

Noach hat eine Arche gebaut, da G-tt mit der Menschheit und ihrer Ungesetzlichkeit unzufrieden war. Ein Neuanfang war nötig und zum ersten Mal gab es ein verbindliches Gesetz.

Gesetze sind das Fundament der Zivilisation. Daher tanzen wir. Daher freuen wir uns. Das Gesetz steht über dem einzelnen Menschen, sei er eine Bundeskanzlerin oder ein einfacher Arbeiter. Es ist unabhängig von persönlichen Befindlichkeiten. Daher wollen Autokraten und solche, die ein autoritäres System etablieren wollen, das Gesetz unter ihre Kontrolle bringen. Sei es ein Erdogan in der Türkei oder eine AfD in Deutschland oder ein Putin in Russland.

Wir Juden tanzen jedes Jahr ausgelassen mit der Torah. Dem Fundament unserer Religion und, was wichtiger ist, dem Fundament unserer Zivilisation. Diese Freude lernen Kinder von klein auf. Es ist an der Zeit, dass wir auch mit den bürgerlichen Gesetzen tanzen. Morgen ist der „Tag der Deutschen Einheit“. Nehmt euch eine Kopie des Grundgesetzes und tanzt!

Nationalhymne gendern?

deutsche_fahneAls die Beatles in ihrem Song „All you need is love“ zu Beginn des Liedes die Französische Nationalhymne musikalisch zitiert haben, dachten sie an Paris als „Hauptstadt der Liebe“. An küssende Pärchen spazierend an den Ufern der Seine inmitten flatternder Friedenstauben. Sie dachten bestimmt nicht an die Zeilen:

Marchons, marchons!
Qu’un sang impur
Abreuve nos sillons!

Zu Deutsch:

Marschiert! Marschiert!
So dass unreines Blut
Unsere Äcker tränkt!

Der Rest der „Marseillaise“ ist nicht weniger blutig und so gar nicht lieblich.

Auch andere Hymnen haben keine friedlichen Texte. Die Amerikaner etwa besingen Bomben und Raketen.

Monarchenkult

Die Briten wiederum besingen ihren Monarchen und wünschen ihr oder ihm Siege und meinen damit militärische. Es gibt verschiedenste Versionen des Textes, je nach politischer Lage und amtierenden Monarch.

Nur die Niederländer trotzen dem Wandel der Zeit und besingen bis heute einen Deutschen Monarchen, der Spanien Treue schwört.

Verbotene Texte

Die Deutschen wollen in ihrer Hymne „über alles“ sein, aber verbieten sich selbst, diese Strophe auch zu singen. Es bleibt für den offiziellen Gebrauch nur die dritte Strophe, die das Vaterland besingt, das brüderlichen mit Herz und Hand verteidigt werden soll, damit es Glück für seine Bewohner bringt.

Die DDR wiederum fand den Text der eigenen Nationalhymne so subversiv, dass er kurzerhand komplett verboten wurde. Ähnlich halten es die Spanier, die die Franco-Hymne nur noch instrumental spielen oder summen.

Marschmusik

Musikalisch sind fast alle Hymnen dieser Welt Marschmusik, die dem Kampfgeist der Truppen stärken soll, die mit Übermut und Nationalstolz im Herzen kämpfen müssen. Ironischer weise ist die Israelische Hymne eine der wenigen der Welt in Moll und ohne Marschrhythmus, wo unsere Soldaten doch tatsächlich viel zu oft in den Krieg ziehen müssen. Offenbar funktioniert das auch mit deprimierender Musik ganz gut.

Viele Hymnen sind Kopien von oder Anlehnungen an bekannte Lieder und Musikstücke oder auch anderer Hymnen. Dass ausgerechnet Deutschland, das so viele begnadete Komponisten hervorgebracht hat (nein, ich rede nicht von Dieter Bohlen) eine der langweiligsten Melodien der Welt abbekommen hat, hat eine gewisse Ironie.

Ich persönlich kann die Deutsche Hymne nicht leiden. Und das meine ich komplett ohne den historischen Kontext. Text und Melodie sind so undramatisch wie die Regierung Merkel.

Dennoch will laut BILD am Sonntag die SPD Politikerin und Frauenbeauftragte Kristin Rose-Möhring den Text der dritten Strophe gendern und aus „Vaterland“ ein „Heimatland“ machen und aus „brüderlich“ „couragiert“. Und siehe da, wenn man die zweite Strophe auch erfolgreich gegendert hat, dann kann man sie auch wieder singen. Oder nicht?

Deutsche Bürger, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang –
Deutsche Bürger, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang!

Anmut sparet nicht noch Mühe!

Mir soll es recht sein. Die Hymne ist eh so schlecht, die kann man nicht mehr verschlimmbessern. Zur Wiedervereinigung hätten wir die historische Chance gehabt, eine neue Hymne zu wählen. Haben wir aber nicht. Schade. Die wunderschöne „Kinderhymne“ von Bertolt Brecht wäre ein Kandidat gewesen.

 

All you need is love und fehlende Französischkenntnisse:

Tu BiSchwat – Öko in der Torah

tubishvat
Ist der Mensch ein Baum im Feld?

Heute ist Tu Bi’Schwat, das Neujahr der Bäume. Es ist ein kleinerer Feiertag, der im Kalender leicht unbemerkt an einem vorbeigeht. Es gibt keine besonderen Gebete, man isst wenn möglich ein Paar Baumfrüchte, vorzugsweise Trockenfrüchte und Nüsse, auch Trauben, Datteln, Feigen, Oliven und Granatäpfel, die die Torah als Früchte des Landes Israel preist und das war es schon.

Der Kabbalist Arizal hat zwar einen „Seder„, also eine an Pessach angelehnte Festmahlzeit entworfen, bei der man auch vier Gläser Wein trinkt, aber das ist keine weit verbreitete Tradition. Ich trinke nicht mal gerne Wein, daher warte ich mit exzessivem Alkoholgenuss lieber auf Purim. Da kann man auch Bier trinken.
Der Feiertag ist in Israel für die Beurteilung, wie alt ein Baum ist, wichtig. Früchte darf man nämlich erst nach drei Jahren von einem jungen Baum ernten. Daher ist das Neujahr der Bäume so was wie ein gemeinsamer Geburtstag für unsere hölzernen Freunde.

Man sieht, Bäume bekommen in der Torah eigene Rechte. Fast wie Tiere und Menschen. Es ist etwa verboten, einen Fruchtbaum zu fällen, nur weil einem in einem Krieg im Weg ist.

Die Halacha, das jüdische Gesetzt interpretiert aus diesem Gebot das Verbot der Verschwendung und sinnlosen Zerstörung von Gegenständen, Häusern, der Natur und der Umwelt. Die Torah ist also voll öko, wie man auf Neudeutsch sagt! Die entsprechenden Gesetze findet man im Deuteronomium, dem 5. Buch Mose, Verse 20:19-20.

Und dort mittendrin steht der merkwürdige Satz „Ki Ha’adam Etz HaSsadeh“. Wörtlich übersetzt bedeutet das „Weil der Mensch ein Baum im Feld (ist)“. Ich selbst fühle mich nicht wirklich wie ein Baum. Ich habe nicht nur ein Bein und das ist auch nicht am Boden fest gewachsen. Die wörtliche Bedeutung bringt uns also nicht weiter.

Die Kommentatoren der Torah haben diesem Satz über die Jahrhunderte große Aufmerksamkeit geschenkt. Ist er nicht doch eine Frage und keine Aussage? Sind die Baumfrüchte des Menschen seine Kinder oder seine Gedanken und Wissen? Wenn man nur Fruchtbäume nicht fällen darf, muss man sich einen neuen Lehrer suchen, also den alten fällen, wenn er keine Wissenfrüchte mehr trägt, von denen man lernen kann? Oder sind die Wurzeln sein Intellekt und die Baumkrone sein Kopf, der zum Himmel gewandt ist?

Tu Bi’Shvat ist also nicht nur ein Neujahr der Bäume, es ist auch für uns mal wieder ein Anstoss, sich mit uns selbst und unserer Umwelt zu befassen. Ist der Mensch ein Baum im Feld? Bin ich verwurzelt in meinem Intellekt, meinem Glauben, meinem Umfeld und in dieser Welt oder schwankt mein Kopf im Wind herum und ein kleiner Sturm wird mich entwurzeln?

Der Israelische Dichter Natan Zach hat kurz nach dem Holocaust den Satz „Ki Ha’adam Etz HaSsadeh“ in ein wunderschönes, trauriges Lied verdichtet. Ich habe versucht, es nachzudichten:

Ist der Mensch ein Baum im Feld?
Natan Zach – Deutsch: Eliyah Havemann

Ist der Mensch ein Baum im Feld?
Genau wie ein Mensch, blüht auf der Baum
Genau wie der Baum, wird der Mensch gefällt
Und ich, ich weiss nicht
wo war ich und wo will ich noch hin
wie ein Baum im Feld

Ist der Mensch ein Baum im Feld?
Er wirft die Arme wie ein Baum gen Himmel
Und er verkohlt wie er im Brand
Und ich, ich weiss nicht
wo war ich und wo will ich noch hin
wie ein Baum im Feld

Ist der Mensch ein Baum im Feld?
Unstillbar ist sein Durst nach Wasser
Nach Leben in unserer vertrockneten Welt
Und ich, ich weiss nicht
wo war ich und wo will ich noch hin
wie ein Baum im Feld

Ich liebte und ich hasste
Ich habe so vieles probiert
Doch sie verscharrten mich in der Erde
und es schmeckt so bitter und ich werde
wie ein Baum im Feld
wie ein Baum im Feld

Anmerkung: Dieser Text erschien fast wortgleich schon mal hier im Blog.

Das Sommerfest 2017- Hauptsache Wasserpistolen

Gastbeitrag von Katharina Kunert

sommerfest
Kamfu mir helfen?“ fragt der Elefant

„Pssst, Eltern – ihr seid zu laut!“ Beim Taka-Tuka-Land-Sommerfest tauschen Eltern und Kinder die Rollen.

Gespannt sitzen rund 20 Kinder jeden Alters auf ihren Stühlen und lauschen konzentriert Eliyah, der mit verstellter Stimme aus dem Kinderbuch-Klassiker „Wo die wilden Kerle wohnen“ vorliest. Wenn er brüllt wie ein wilder Kerl zucken die Kinder zusammen – wenn es spannend und gefährlich wird rücken die Kleinen vor Spannung an den Rand ihrer Stühle. In ihren bunt geschminkten Gesichtern breitet sich erst ein erleichtertes Lachen aus, als der kleine Protagonist wieder in Sicherheit ist. Dann dürfen sie selbst ran – mit Puppen spielen sie die Geschichte des nächsten Kinderbuchs nach und bangen bei Wettrennen und -Namenschreiben um den Sieg ihrer Gruppen: Die Gruppe, deren Mitglieder als erstes ihre Namen eigenhändig nacheinander auf eine Tafel geschrieben hat, gewinnt. Als eine Gruppe schon in Siegesjubel ausbrechen will wird es plötzlich spannend: Wer ist dieser „RIFO“ der sich vorne auf der Tafel verewigt hat?

Dann die Erleichterung: Gruppenmitglied Ofir hat auf die Schnelle einfach in Spiegelschrift geschrieben – bei so viel Deutsch und Hebräisch auf einem Haufen kann man eben schnell mal durcheinander kommen.

Doch genau dafür sind sie hier: Um deutschsprachige Freunde zu finden und auf deutsch lesen und schreiben zu lernen – so wie Tommy (8) und Mia (5), Hellas Kinder. „Vor allem Musik hilft Kindern beim Sprachen lernen“, sagt sie – „Obwohl Kinder auch ganz flexibel sind, Wörter zu singen, die sie nicht verstehen, da helfen dann entsprechende Bewegungen“.

Auch Julia hat das Sommerfest gefallen: „Das Programm war wirklich gut – und ohne Programm geht gar nichts“, sagt sie.

Und für Felicitas ist eines klar: „Wasserpistolen müssen immer dabei sein“.

Zuerst erschienen auf http://idach.org.il/taka-tuka-land

Let’s Dance – Wer gewinnt?

Schrecklich. Es ist furchtbar schrecklich. Denn ich muss zugeben, ich mag die RTL Show „Let’s Dance“. Nicht nur ich, ganz besonders auch meine Frau. Schrecklich ist es deshalb, weil gleich drei religiöse Regeln im krassen Widerspruch zu dieser Show stehen:

  1. Zniut: Die Tänzerinnen sehen verdammt heiss aus und haben verboten wenig Klamotten am Leib. Ich drücke hier beide Augen und alle verfügbare Hühneraugen zu, denn ich war selbst mal unreligiös, ja nicht mal Jude, und verglichen mit dem, was ich damals so gesehen habe, ist diese Show schon fast züchtig.
  2. Omer: Die Omer-Zeit ist inzwischen vorbei, aber die Show beginnt um Pessach herum und zwischen Pessach und Lag-BaOmer ist Tanzmusik verboten. Ich rede mich damit raus, dass ich als interessierter Zuschauer auf dem Sofa sitze, nicht selbst tanze und die Musik zwar wichtig ist, aber die Show hat doch so viel mehr Spannendes zu bieten.
  3. Schabbat: Das ist das Schlimmste. Die Show wird Freitag Abend ausgestrahlt, wenn wir gerade das Schabbatessen beenden und das Tischgebet sagen. In diesem Fall gewinnt der Schabbat und wir weichen auf die Aufzeichnung in der Mediathek von TVNOW aus (die uns auf Grund unseres Tricks über eine Deutsche IP zu surfen zwar schlechte Werbung anzeigt, aber uns dann trotzdem regelmässig die Nutzung eines Werbeblockers vorwirft. Nerv.)

Aber es gibt genug Gründe, die Show zu sehen. Einer ist, dass es keine abgekarterte Pseudoshow wie „Bachelor“ oder Fremdschäm-Erniedrigungsshow wie das „Djunglecamp“ ist. Die Tänze sind echt, die Profitänzer sind Profis und die Trainings sind hart. Die Jury wiederum ist nicht nur gerecht, sie hat durchaus was zu sagen, so dass trotz Telefonvoting am Schluss immer wirklich gute Promi-Tänzer im Finale stehen. So wie dieses Jahr auch. Und dieses Jahr ist es sogar ein besonderes Jahr, denn ein Exil-Israeli steht im Finale!

Gil Ofarim heisst er und er hat nie über seine Herkunft in der Show gesprochen. Doch als er einen Tanz aufführte, den er seinem Vater widmete, sagte er auf Hebräisch in die Kamera: אבא, אני אוהב אותך. (Aba, ani ohev otcha! – Papa, ich liebe Dich!). Aber wozu das auch thematisieren, die ganze Show ist so international besetzt und das ist wunderbar!

Die Jury redet also mit. Aber wer noch? Das sind natürlich die Zuschauer mit ihrem Telefonvoting für sündhaft teure -,50 €/Anruf. Da wir die Show immer erst im Nachhinein sehen, sind wir nicht in Versuchung, dort mitzumachen.

Aber wenn doch, was entscheidet der Zuschauer und was die Jury? Auf den ersten Blick sind beide gleich gewichtet. Die Rangfolgen der Jury und der Zuschauer werden in Punkte umgerechnet (etwa 1 – 10 bei 10 Paaren, 10 Punkte der este Platz, 1 Punkt der letzte), addiert und das Paar mit den wenigsten Punkten fliegt raus. Ganz gerecht ist das nicht, da große Unterschiede zwischen den Positionen im Feld nivelliert werden, aber ok. Falls dann ein Punktegleichstand herauskommt, zählt das Zuschauerergebnis.

Was bedeutet das? In den Shows, wo das letzte Paar gehen muss, ist die Jurywertung sehr wertvoll. Das Paar auf dem 1. Platz kann nur rausfliegen, wenn die Zuschauer exakt entgegengesetzt gevotet haben wie die Jury, also alle Paare Punktgleich sind und das Zuschauervoting alleine zählt. Es lohnt sich daher nicht, für den Erstplatzierten anzurufen.

Im Finale mit drei Paaren aber ist das sehr anders. Und das veranschaulicht am besten diese Tabelle (Reihenfolge der Jury nur als Beispiel). Da es extrem unwahrscheinlich ist, dass für zwei Paare exakt gleich viele Zuschauer anrufen, lasse ich diese Möglichkeit weg. Punktgleichheit nach Juryurteilen gibt es allerdings häufiger.

Platz Jury Zuschauer
1 Vanessa Vanessa

6

Gil

5

Vanessa

6

Angelina

4

Angelina

4

Gil

5

2 Gil Gil

4

Vanessa

5

Angelina

3

Vanessa

5

Gil

4

Angelina

3

3 Angelina Angelina

2

Angelina

2

Gil

3

Gil

3

Vanessa

4

Vanessa

4

Platz Jury Zuschauer
1 Vanessa/Gil Vanessa

6

Gil

6

Vanessa

6

Angelina

4

Angelina

4

Gil

6

2 Gil

5

Vanessa

5

Angelina

3

Vanessa

5

Gil

5

Angelina

3

3 Angelina Angelina

2

Angelina

2

Gil

4

Gil

4

Vanessa

4

Vanessa

4

Platz Jury Zuschauer
1 Vanessa Vanessa

6

Gil

5

Vanessa

6

Angelina

5

Angelina

5

Gil

5

2 Gil/Angelina Gil

4

Vanessa

5

Angelina

4

Vanessa

5

Gil

4

Angelina

4

3 Angelina

3

Angelina

3

Gil

3

Gil

3

Vanessa

4

Vanessa

4

Man sieht also: Der Zuschauer entscheidet fast immer! In 15 von 18 Fällen ganz alleine. Die Jury kann nur den letzten abwerten und wenn sie keinen letzten Platz vergibt, dann ist ihr Urteil irrelevant. Der Letzte nach Jurypunkten wiederum kann nur gewinnen, wenn die Jury den ersten Platz nicht punktgleich vergibt und die Zuschauer genau entgegengesetzt zur Jury voten in der Reihenfolge.

Also: Happy voting und verratet uns nicht, wer gewonnen hat!! Wir wollen mitfiebern, wenn wir es in der Mediathek ansehen.

 

P.S.: Zu Zeiten, als bei Let’s Dance nur zwei Paare im Finale standen, haben die Zuschauer in jedem Fall alleine entschieden.

Roni 87 und das Volk

bnunnrqo_400x400Letzte Woche traf ich in Tel Aviv auf Martin Niewendick alias Roni 87. Er ist Rapper und Journalist für den Tagesspiegel. Er ist ein Linker, vielleicht sogar Kommunist. Und er liebt Israel. Ich traf ihn, weil er ein Freund meines Bruders Til ist.

Er rappt „Am Israel Chai“ („Das Volk Israel lebe“) und ist aber nach eigener Aussage antivölkisch. Für uns Juden ist der Begriff „Volk“ nicht so negativ besetzt wie für viele, vor allem linke Deutsche. Wir sind ein Volk, aber auf keinen Fall eine Rasse, ja nicht mal so wirklich eine Religionsgemeinschaft, denn man kann atheistischer Jude sein. Wir sprechen auch nicht alle die selbe Sprache oder leben im selben Land.

Unser jüdisches Selbstverständnis als Volk unterscheidet sich also stark von dem etwa der Pegida-Anhänger, die volkstümelnd „Wir sind das Volk“ skandieren und damit eine erfundene Rasse meinen. Sie kopieren damit dreist den „Wir sind das Volk“ Ruf der Deutschen, die sich gegen die DDR-Obrigkeit aufgebäumt haben. Selbst den Wochentag besetzen sie mit den Montagsdemonstrationen neu.

Was also „Volk“ bedeutet, hängt stark vom Kontext ab. Damals, in der DDR, da hiess es: Ihr seid die Obrigkeit, aber wir sind das Volk! Die Abgrenzung war also nicht rassisch sondern gegen die Bonzen des Unrechtsstaates. Das Volk als Kampfbegriff der sich aufbäumenden Unterdrückten.

Wir haben uns darüber freundschaftlich gestritten und generell haben wir in vielen Dingen verschiedene Ansichten. Ein Kommunist bin ich nun mal nicht. Aber seine Musik macht richtig Laune und die Liebe zu Israel vereint uns! Und als Linker kann er dem Antisemitismus der Linken inherent die Stirn bieten. Yeah!

Der Terror ging mir noch nie so nah

Unser Kleinster weckte uns alle gestern um 6:30 auf. Mein erster Gedanke war: G-tt sei Dank, hat er durchgeschlafen. Am Tag davor bekam er zwei Impfungen und war Abends etwas unruhig.

Mein Mann ging mit beiden Jungs ins Wohnzimmer. Ich holte mein Handy und öffnete Facebook, um zu schauen, was ich Nachts verpasst habe. (Ja, ich weiss, ich bin ein Facebook-Junkie)

Mehrere Freunde, die in Tel Aviv leben, schrieben: „I’m safe!“ Sofort dachte ich: „Oh nein, was ist passiert?“ Kurz darauf zeigte mein Feed die Nachrichten vom Terroranschlag in Tel Aviv, der sich am Mittwoch ereignete, als wir schon schliefen.

4 Menschen wurden im Restaurant bei ihren Abendessen geradezu hingerichtet. Viele andere wurden verletzt. Den ganzen Tag kreisten sich meine Gedanken darum. Auch Facebook war voll von Videos, Bildern und Nachrichten.

Wie die meisten meiner Freunde fühlte ich Trauer, Wut, Verzweiflung.

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Mein Großer und ich holten den Kleinen vom Kindergarten ab. Er ist in der Babygruppe und hat vier Kindergärtnerinnen: eine Russin, eine Israelische Palästinenserin und zwei jüdische Israelinnen.

Als wir in den Raum kamen und der Kleine uns entgegen krabbelte, nahm ich ihn auf den Arm und merkte, dass die russischsprachige Kindergärtnerin Marina zwei weiteren Müttern etwas aufgeregt auf Hebräisch erzählte. Ich verstand nur die Hälfte. Aber es war klar, dass sie etwas persönliches über den Anschlag erzählte: Ihre Tochter war während des Anschlags in dem Restaurant. Marina erzählte mir dann, dass ihre Tochter kurz vor dem Anschlag mit einer Freundin auf die Toilette gegangen ist und sich so zufällig gerettet hat. Ihre anderen Freundinnen aber wurden verletzt und liegen noch im Krankenhaus. Die Tochter hat zwei Kinder im selben Alter wie meine beiden.

Ich fing an zu heulen. Ich stellte mir vor, mein Kind ruft mich an und erzählt, wie es in dem Restaurant war während des Anschlags. Das ist eine echte Horrorvorstellung für Eltern. Ich küsste meine Jungs und wir fuhren nach Hause. Morgen bringe ich den Kleinen wieder in seinen Kindergarten: zur Palästinenserin, zur Russin und den anderen beiden Israelinnen.

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White Wine Festival

Am Abend war ich mit einer Freundin verabredet. Wir gingen zum Wein Festival in Herzliya, dass nördlich von Tel Aviv liegt. Die Frage, ob wir Angst haben, stellte sich nicht. In Israel lässt man sich nicht unterkriegen. Das Leben geht weiter.

Den Spaß wollten wir uns nicht entgehen lassen. Das Festival, das am Hafen von Herzliya statt fand, war sehr gut besucht, es war richtig voll. Wir probierten fast alle Weine, aßen Käse und tanzten zur Livemusik.

Beim Rausgehen bedankte ich mich angetrunken und etwas überschwänglich bei den am Eingang stehenden Polizisten für ihre Arbeit. Hallo!? Ich habe unzählige Weine getrunken, die waren einfach zu lecker!

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Nastassja und ich betrinken uns hemmungslos kosten viele gute Weine

Ich wünsche allen einen friedlichen Shabbat und Shavuot Fest und schönes Wochenende.

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Besucher des White Wine Festivals