Liebes 2020,

Liebes 2020,

es war schön und schön, dass es war, würde eine Freundin aus Hamburg sagen. So fühle ich mich. Ich meine, wir leben seit 2010 in Israel und haben schon Kriege miterlebt und doch haben wir dich nicht kommen sehen.

2020, du hast mir so viele tolle und erfolgreiche Erfahrungen gegeben, du hast mir aber auch viel Schmerz und Angst zugefügt.

Als du kamst, 2020, war ich voller Vorfreude. Zusammen mit meiner großartigen Co-Founderin vom Media TLV, Susanne Glass, haben wir im März den ersten israelisch-europäischen Mediengipfel im Herzen von Tel Aviv geplant. Du hast uns verletzt, als wir kurz davor, es absagen mussten. Aber wir haben uns nicht unterkriegen lassen. Wir wollten es dir beweisen. Wir schaffen es auch mit den Steinen, die du, 2020, uns in den Weg legst. Denn der Kampf für Demokratie treibt Susanne und mich an und nicht die Angst vor dir. Also haben wir den Media TLV online gemacht. Da warst du überrascht, oder?

Auch für unsere Familie hast du Kummer gebracht. Aber auch Nähe.

Vor Frust habe ich geweint, weil es unmöglich war, mit drei Kindern zu Hause zu arbeiten und den Kindern Bildung zu geben, auch zu Hause.

Du, 2020, hast uns aber auch gezeigt, wie viel Spaß und Nähe mein Mann, unsere Kinder und ich haben. So viel intensive Zeit hatten wir schon lange nicht mehr, wahrscheinlich noch nie.

Du hast mich motiviert, neue Projekte auszuprobieren.

Ich habe Online Shows gestartet, eine davon mit Sarah Fantl. Kurz bevor du abhauen konntest, haben wir sogar noch ein Podcast gestartet. Nicht schlecht, oder?

Auch mein Unternehmen ist gewachsen, und das obwohl du da warst. Dir, 2020, zum Trotz haben wir neue Partnerschaften geschlossen. Wir sind dir dankbar für den Arschtritt bei der einen oder anderen Business Entscheidung. Wir sind aber auch froh, wenn du endlich gehst.

2020, du hast uns unsere Eltern nicht sehen lassen, weil sie in Deutschland sind. Dafür sind wir echt sauer auf dich.

Aber wie dieser kitschige Spruch schon sagt, nach dem Tief kommt ein Hoch. Und davon planen wir so einige.

Also Tschüß, 2020, wir werden dich nicht vergessen aber auch nicht vermissen.

Jude, Zionist und #BlackLivesMatter. Ein Widerspruch?

#blacklivesmatter in meinem Twitterprofil

Als George Floyd im Mai dieses Jahres von einem Amerikanischen Polizisten ermordet wurde, gab es einen weltweiten Aufschrei. „I can’t breathe!“ stand als Graffiti an den Wänden und die Hashtags #BLM und #BlackLivesMatter trendeten weltweit in den Sozialen Medien.

Auch mich hat das Schicksal von George Floyd berührt. Nicht nur seinetwegen. Seine Ermordung hat ein grelles Scheinwerferlicht auf den strukturellen Rassismus in Amerika geworfen und die weltweite Bewegung, die daraus entstand, hat auch in anderen Teilen der Welt und in Deutschland dafür gesorgt, dass rassistische Strukturen in der Gesellschaft allgemein und in der Polizei im speziellen, stärker ans Tageslicht kamen. Es ist kein Wunder, dass ausgerechnet 2020 die diversen Nazi-Chatgruppen deutscher Polizisten entdeckt wurden. Menschen sind sensibilisiert und hatten den Mut, sie öffentlich zu machen.

Auf Twitter, wo ich zu viel Zeit verbringe, habe ich „Black Lives Matter“ in meinen Header mit aufgenommen. Seit über einem halben Jahr ist er da drin und ich habe mehrfach überlegt, ihn zu entfernen. Schließlich werden gerade andere Säue durchs Dorf getrieben und Themen wie Moria und natürlich der immer gewalttätiger zum Vorschein tretenden Antisemitismus sind mir auch nah und wichtig. Aber ich habe mich dagegen entschieden. BLM bleibt leider immer aktuell.

Ich wurde deswegen mehrfach auf Twitter angegangen. Von linken Antizionisten sowie von rechten Israelis. Beide finden, BLM und Zionist kann man nicht gleichzeitig sein. Warum nicht?

Die Antizionisten glauben, der Zionismus wäre eine rassistische Ideologie und daher inkompatibel mit BLM. Das ist natürlich Quatsch. Deswegen juckt mich dieser Vorwurf auch gar nicht. Schwerer wiegt da der Vorwurf der anderen Seite, die mich darauf hinweisen, dass unter den BLM Aktivisten auch viele Antisemiten den Ton angeben.

Der strukturelle Rassismus ist ein Problem, das jeden Menschen mit Nicht-weißer Hautfarbe betrifft. Egal, ob er Antisemit ist, oder nicht. Ich werden meine Unterstützung für diesen wichtigen Kampf nicht davon abhängig machen, ob Antisemiten bei BLM beteiligt sind oder nicht. Es gibt auch rassistische Juden, und dennoch freue ich mich über jede PoC, die den Kampf gegen Antisemitismus unterstützt.

„Aber die Querdenker lehnst Du doch auch ab, weil dort Nazis mitlaufen!“ – Ja. Sie laufen dort aber nicht nur mit, die ganze Idee der Querdenker ist eben keine einfache, legitime Kritik an Coronamaßnahmen der Bundesregierung, sie beruht auf antisemitisch aufgeladenen Verschwörungsmythen und die Nazis sind ideell bei diesen Demos zuhause. Ein antisemitischer BLM-Aktivist dagegen agiert im Grunde gegen seine eigenen Interessen.

Rassismus und Antisemitismus sind nicht das selbe. Ganz und gar nicht. Die Diskriminierungserfahrungen sind andere und die Mechanismen sind es auch. Als hellhäutiger Jude kann ich als „white passing“ vom Privileg, weiß zu sein profitieren, was PoC nicht können. Andererseits ist Antisemitismus im Kern eliminatorisch und zielt auf die „Endlösung“, während Rassismus die (erneute) Versklavung und Unterwerfung von PoC anstrebt. Gemeinsam haben sie, dass beides ist für einen direkt Betroffenen regelmäßig tödlich ist und die Schnittmenge der Antisemiten und Rassisten ist riesig. Wir haben einen gemeinsamen Gegner. Natürlich müssen wir uns gegenseitig beistehen.

Es ist schon ein paar Jahre her, da habe ich in der WELT einen Artikel veröffentlicht, der den Titel hat „Israel zeigt, dass ethnisches Profiling hilft„, der zuerst hier im Blog erschien. Es war 2016, um genau zu sein, und damals wurde Europa von vielen islamistischen Anschlägen erschüttert. Im Text geht es um ein Einkaufszentrum in Jerusalem, in dem ich regelmäßig war und das von Juden und Arabern gleichermaßen besucht wird. Die Araber aber werden genauer kontrolliert, wenn sie das Zentrum betreten wollen. Ich bin mit dem Titel des Artikels auf welt.de nicht einverstanden. War ich schon damals nicht, aber die Redaktion hat ihn eigenmächtig gesetzt. Ich hatte einen anderen gewählt. Und ich würde den Text heute auch nicht mehr so schreiben. Die redaktionelle Verkürzung in der WELT hat den Text zusätzlich noch verschärft. Ich verstehe heute einiges besser, auch dank einiger toller Menschen, die ich auf Twitter kennengelernt habe, und die islamistischen Anschläge von damals belasten mich emotional nicht mehr so direkt. Dennoch kann und will ich mich nicht komplett von diesem Artikel distanzieren.

„Wie kannst Du Racial Profiling gut finden und #BLM im Header haben? Heuchler!“ So wurde es mir vorgeworfen. Dazu muss ich sagen: Ich habe damals bewusst von „Ethnischem Profiling“ gesprochen. Juden und Araber sind äußerlich nur durch Kleidung und Sprache zu unterscheiden und nicht anhand irgend welcher eingebildeten Menschenrassen. Und außerdem, wenn man den Text wohlwollend liest, dann steht dort eigentlich: Ethnisches Profiling funktioniert nicht außerhalb dieses Spezialfalls des Einkaufszentrums in Jerusalem, wo nach der harten Kontrolle an der Tür eben keine Unterschiede mehr gemacht werden und Juden und Araber zusammen mit der ganzen Familie bequem shoppen gehen und ihr Essen essen. Racial Profiling ist ethisch falsch und praktisch unbrauchbar. Ohne Ausnahme.

Also ja. Ich unterstütze #BLM. Ich werde es weiter tun. Und ich kenne meine Privilegien. Als „white passing“ in Europa und als Jude in Israel. Denn wer seine Privilegien nicht begreift, wer sich selbst nicht reflektiert, dessen Unterstützung ist sowieso nicht viel wert.

#FragEinenJuden – Teil 4

Die ersten drei Teile habt ihr schon gesehen. Jetzt ist nach zwei Wochen Pause der vierte Teil fertig und ich hoffe, ihr seid genau so zufrieden damit wie ich. Noch mindestens ein weiterer Teil ist geplant.

In diesem Teil beantworten wir die Frage nach der jüdischen Küche ganz allgemein. Wollt ihr noch mehr wissen über Essen, Koscherregeln, Traditionelle Gerichte und andere Dinge zur Ernährung der Juden? Ich nenne uns nicht umsonst manchmal „die kulinarische Religion“. Schreibt es hier in die Kommentare oder unter dem Video oder einfach auf Twitter unter den Hashtag #FragEinenJuden!

Zucker ohne Zucker – Food Innovation aus Israel

Startup News aus Israel.

Der kanadische Raffinierzuckerriese Rogers Sugar, die Muttergesellschaft von Lantic Inc, hat sich mit dem israelischen Foodtech-Startup DouxMatok zusammengetan, welches ein Zuckerersatz- Produkt entwickelt hat, das gesünder ist, aber den Zuckergeschmack und -konsistenz beibehält.

DouxMatok will durch diese Zusammenarbeit sein Produkt kommerzialisieren und arbeitet bereits daran, ein Vanillearoma herzustellen, welches als gesunder Ersatz in der Lebensmittelproduktion verwendet werden kann.

Doch wie funktioniert es? Das innovative Produkt von DouxMatok versüßt den Zuckergeschmack, indem es auf effiziente Weise den Zuckergeschmack zu den Geschmacksknospen transportiert und so das “süße Glücksgefühl” verstärkt, welches auf das Gehirn übertragen wird.

Auch die Frankfurter Zuckermanufaktur Südzucker AG, die Schweizer Btov Partners und andere sind an diesem Projekt beteiligt und haben ihr Interesse an einer engen Zusammenarbeit angekündigt.

https://www.geektime.com/douxmatok-partners-with-rogers-lantic/

Israelische Corona-Startups

Coronabedingt haben wir innerhalb der letzten Monate weltweit interessante Entwicklungen im Bereich Innovation und Gesundheitswesen gesehen, die sowohl das Einhalten der neuen Abstandsregeln unterstützen, als auch innovative Lösungen in der Gesundheitsversorgung bieten.

Da bis dato nur der PCR-Test und der Antigen-Test verwendet werden, um auf COVID-19 zu testen, hat Zebra Medical Vision Ltd aus Israel eine AI-Lösung für das medizinische Röntgenbild erfunden, welches im Mai 2020 die FDA-Zulassung erhielt.

Diese Erfindung soll Medizinern helfen, wenn herkömmliche Testmethoden nicht verfügbar sind und kann außerdem festestellen, wie schwerwiegend die geteste Person erkrankt ist. In Zukunft hoffen sie, dass die AI Erfindung auch bei anderen medizinischen Fällen zum Einsatz kommen kann.

Außerdem arbeitet die israelische Regierung eng mit Drohnen-Technologien von Airobotics und OCTOPUS Systems zusammen, um die Ausbreitung von COVID-19 zu stoppen.

Auch wenn wir durch die Pandemie mit neuen Herausforderungen konfrontiert werden, weiß die Startup-Nation kreative Lösungen zu finden und an ihren Aufgaben zu wachsen.

(Text: Mela Friedrich ) GIIN – German-Israeli Innovation Network

Photo: Lisa Grimm

https://www-entrepreneur-com.cdn.ampproject.org/c/s/www.entrepreneur.com/amphtml/356603

ai #artificialintelligence #coronavirus #covid #medical #zukunft #startup #innovation

Israelische Biere Tasting – Video 4

In dem Video Folge vier
Trinken wir nicht nur ein Bier
Über Golan und Politik reden wir
Und auch über das Trump-el-tier

Viel Spass mit dem vierten Video in userer Reihe „Israelische Biere Tasting“, in denen wir Israelische Craft-Biere testen und dabei reden über dies & das. In diesem Video erfährt das Tasting eine (auch für uns!) unerwartete Wendung…

Video 1: Negev
Video 2: Malca
Video 3: Emek Ha’ele

10 Jahre Aliyah

Heute vor 10 Jahren habe ich Aliyah gemacht.

Es war in erster Linie keine rationale Entscheidung, sondern eine emotionale. Es war eine Art Märchengeschichte, die ich mir hätte nie träumen lassen können.

Mein Mann und ich waren eine Weile befreundet, als er Anfang 2010 kurz nachdem wir uns verliebt haben, Aliyah gemacht hat.

Der Abschied damals war mit Tränen und gebrochenen Herzen, zurückblickend eine hollywoodreife Geschichte.

Zwei Monate später, nach täglichen Telefonaten, saßen wir Abends im März am Strand in Tel Aviv und er machte mir einen Antrag.

Ich wusste, dass es nicht nur ein persönlicher Neuanfang sein würde, sondern für mich auch ein Neuanfang in einem neuen Land. Ich liebte Israel und sah es neben Deutschland auch als Heimat, dennoch war es etwas neues für mich, hier zu leben.

Im August heirateten wir dann in Deutschland und zogen in eine gemeinsame Wohnung in Jerusalem.

Als mein Aliyah Visum fertig war, flogen wir nach Deutschland, um es abzuholen.

Mit 5 Koffern landeten wir dann am 1.11.2010 in Israel, unserer neuen Heimat. Ich wurde noch vor der Passkontrolle von einer Frau mit einem Schild abgeholt und in einen Raum vom Innenministerium gebracht.

Dort bekam ich von einer müden Beamtin meinen Ausweis in die Hand gedrückt, sie sagte „Mazal Tov and welcome home“, ich macht ein Foto mit meinem Ausweis und wir fuhren nach Jerusalem. Vier Jahre war Jerusalem unser Zuhause, dort sind unsere Jungs auf die Welt gekommen. Danach hat es uns in die Nähe von Tel Aviv verschlagen.

Jetzt schlagen in meiner Brust zwei Herzen, eines für Deutschland und eines für Israel. Israel ist ein verrücktes Land aber ich bin unheimlich glücklich, dass es für meinen Mann, mich und unsere drei Kinder ein Zuhause ist, wo wir uns wohl fühlen.