TiN: Karfreitag

Mit erwartbarer Regelmässigkeit regt sich der Blogger Gerd Buurmann in seinem Blog „Tapfer im Nirgendwo“ jedes Jahr vor Ostern über die Gesetzgebung in Deutschland allgemein und in NRW im Besonderen zum Karfreitag auf. Er schrei(b)t: Zensur! Bevormundung! Ungleichheit!
Seinen Blog lese ich sehr gerne und manchmal poste ich auch Kommentare zu seinen Artikeln. Da Kommentare dort üblicherweise sofort frei geschaltet werden, entstehen teils lustige, teils tiefe und teils auch einfach pöbelnde Diskussionen. Mit anderen Worten, es macht großen Spass!
An dem Thema Karfreitag entzündet sich wie von selbst die Diskussion: Was darf eine Religion den anderen Religionen zumuten? Was darf ein christlicher Staat wie Deutschland seinen muslimischen, jüdischen und vor allem atheistischen Bewohnern an christlichen Regeln diktieren?
Auch der Vergleich mit Israel drängt sich auf, denn das israelische Selbstverständnis ist, dass wir ein jüdischer Staat sind. Und auch hier haben daher viele weltliche Gesetze einen religiösen Hintergrund. An Pessach ist es etwa eine Woche lang in hauptsächlich jüdisch besiedelten Gebieten gesetzlich verboten, öffentlich gesäuertes Brot zu verkaufen. Im direkten Vergleich mit Deutschland ist Israel allerdings von der Gesetzgebung her geradezu säkular, auch wenn hier die Religion deutlicher sichtbar ist im Alltag. Ich will das nicht genauer ausführen, aber wenn man Gerd Buurmanns Blogeinträge zu Karfreitag liest, dann wird es schnell deutlich.
Was sich in der darauf folgenden Diskussion unter den Lesern mir wieder mal gezeigt hat ist, dass Akzeptanz und Respekt zwischen Religionen, wozu ich in diesem Fall den Atheismus auch zähle, nur funktioniert, wenn man scharfe Grenzen zieht.
In meinem Buch „Wie werde ich Jude?“ schrieb ich in einem Kapitel, dass eine ernstzunehmende Religion einen absoluten, unerschütterlichen Wahrheitsanspruch haben muss. Und dass man diesen Anspruch nicht auf dem Altar des interreligiösen Dialoges opfern darf. Ich war damals etwas erschrocken über mich selbst: Wie kann man so borniert, so besserwisserisch sein? Wie kann man seine Wahrheit so kompromisslos über die Wahrheiten anderer stellen?
Man muss. Wer sich anbiedert, seine Ideale verrät und alles relativiert wird nicht ernst genommen. Wer aber den Gegenüber respektiert aus einer Position der gegenseitigen Stärke heraus, wird auch respektiert. Ich habe mich mit gläubigen Christen, Muslimen und Atheisten unterhalten. Ich habe dabei immer darauf bestanden, dass es G-tt gibt, Mohammed kein Prophet und Jesus kein Messias ist. Ich habe die Unterschiede zwischen uns geradezu betont. Was war das Ergebnis? Streit? Nein, aber eine Auseinandersetzung im besten Sinne. Exemplarisch die Reaktion von der gläubigen Christin Cecina in den Kommentarspalten von „Tapfer im Nirgendwo“:

Cecina schreibt:
März 26, 2015 um 10:47 vormittags
[…]@Eliyah: Danke für deine Worte.
Ich gebe dir völlig Recht: Gegenseitiges Akzeptieren und Respektieren sind richtig, ja, geradezu unerlässlich – Kompromisse und Gleichmacherei sind unmöglich.
Wer keinen Absolutheitsanspruch hat, glaubt nicht wirklich Das berechtigt natürlich nicht, anderen den eigenen Glauben aufzudrängen, mit welchen Mitteln auch immer.[…]

Angela Merkel soll sinngemäss gesagt haben: Es gibt nicht zu viel Islam in Deutschland, es gibt zu wenig Christentum. Leider finde ich das genaue Zitat nicht, vertraue aber meiner Quelle, die mir das berichtet hat.
Merkel hat Recht! Dem Islam in Deutschland begegnet man nicht mit Anbiederung und Toleranz (die nichts anderes als eine freundliche Geringschätzung des Gegenübers ist), auch nicht mit Abneigung und Hass, sondern mit Respekt und gesunder Distanz. Dann kann man auch für sich Distanz und Respekt einfordern. Auch den Respekt, in meiner Nachbarschaft am Karfreitag keine all zu lauten Freiluft-Parties zu feiern.
Wir Juden feiern dieses Jahr an dem Karfreitag-Abend unseren Erev Pessach. Das wird manchmal auch laut und fröhlich. Aber keine Sorge, wir machen das privat und zuhause, liebe Christen. Ihr dürft leider nicht mitfeiern, so viel Distanz muss sein.
Tapfer im Nirgendwo

https://tapferimnirgendwo.com/2015/03/26/heute-nur-christentum/

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