Marry X-Mas und Frohe Y-Nachten 2022

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Wie jedes Jahr in diesem Blog wünsche ich den Lesern Merry X-mas und frohe Y-nachten. Das ist also schon eine Tradition! Und Traditionen soll man pflegen.

Leider gibt es auch unschöne Traditionen und eine davon ist die von Nazi-Sifftwitter, mir ihre heuchlerischen Weihnachtswünsche ins Postfach zu rotzen. Wer sich die Weihnachtsstimmung nachhaltig versauen will, der klicke einfach hier:

Aber davon will ich mich nicht beirren lassen. Dieses Jahr fallen die letzten Kerzen Channukkahs mit Weihnachten zusammen und ich wünsche schon jetzt allen, die es feiern, von ganzem Herzen und ohne Sifftwittervibes: Frohe Weihnachten!

Mein Freund Matthias antwortete mal auf die Frage, wie er und seine Familie denn Weihnachten feiern werden: Wir essen viel, streiten uns und schenken uns Dinge, von denen wir in spätestens zwei Wochen wissen, dass wir sie nie gebraucht haben. Also, so oder so ähnlich hat er es gesagt.

Und so ähnlich habe ich auch Weihnachten in meiner Kindheit in Erinnerung. Streit und Essen gab es quasi immer. Geschenke auch, um die es dann auch oft noch mehr Streit gab. Der Baum war hübsch, das Essen gut, immerhin.

Der Name des Festes ist interessant. Hier eine Tabelle in verschiedenen Sprachen:

SpracheWortBedeutung
Englisch
Christmas
Christus (Messias) Fest
FranzösischNoëlGeburtsfest
SpanischNavidadGeburtsfest
Hebräisch (Chag HaMoled) חג המולדGeburtsfest
ItalienischNataleGeburtsfest
DänischJulGermanischer Kalendermonat Dezember
HolländischKerstmisChristus (Messias) Fest
DeutschWeihnachtenChanukkah

Die meisten Sprachen nennen das Weihnachtsfest nach dem, was der Überlieferung nach passiert ist: Der Messias (Christ) wurde geboren. Schließlich feiert man seinen Geburtstag (und acht Tage später, nach guter jüdischer Tradition, seine Beschneidung am 1. Januar). Die Dänen stechen heraus, da sie den Festnamen am Kalender fest machen. Und die Deutschen? Die nennen ihr Lichterfest im Winter einfach Chanukkah!

Das hebräische Wort Chanukkah bedeutet Weihe. Es geht dabei um die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem nach der Entweihung durch die Griechen. Zur Weihung braucht man Olivenöl für den Leuchter und davon war nur noch so wenig da, dass es nur einen Tag gereicht hätte. Aber wie durch ein Wunder, hielt das Öl ganze acht Tage. So lange hat es gedauert, neues Öl zu besorgen.

Das ist in etwa so, wie wenn ihr morgens auf dem Smartphone noch 10% Batterie habt, aber es dennoch den ganzen Tag durchhält.

Warum ich das erzähle? Damit deutlich wird, dass nicht nur der Name fast gleich ist, auch die Bräuche von Weihnachten in Deutschland und Channukkah ähneln sich stark:

  • Datum: Beides wird am 25. des Monats gefeiert, der im jeweiligen Kalender üblicherweise in die Wintersonnenwende fällt. Also 25. Dezember oder 25. Kislev.
  • Abends: In den meisten Ländern wird am 25. tagsüber beschert. In Deutschland aber am 24. Abends. Jüdische Tage und damit auch Feiertage wie Chanukkah beginnen abends.
  • Kerzen 1: Die Chanukkah-Kerzen müssen ins Fenster gestellt werden, da ihr Zweck die öffentliche Verkündung des Chanukkah-Wunders ist. In Deutschen Haushalten werden zu Weihnachten die Fenster traditionell mit Kerzenständern und anderen Lichtern geschmückt.
  • Kerzen 2: Jeden Tag während des acht Tage andauernden Chanukkahfestes zündet man eine zusätzliche Kerze. Im Advent zündet man jeden Adventssonntag eine weitere Kerze.
  • Adventskalender: Auch hier werden die Tage gezählt, genau wie bei den acht Chanukkah-Kerzen.
  • Geschenke: Auch an Chanukkah bekommen die Kinder Geschenke oder einfach Chanukkah Gelt (mit t, weil es jiddisch ist) und man isst Karotten in Scheiben, die an Geldstücke erinnern sollen.
  • Familie: An Chanukkah feiert man mit der ganzen Familie. Jeder bekommt seinen eigenen Leuchter. Weihnachten ist ein Familienfest.
  • Glühwein: Zugegeben, eher eine zufällige Parallele. Juden trinken eigentlich zu jedem Anlass Wein.
  • Weihnachtsmann: Also, wenn Du mich fragst, sieht der aus wie ein Rabbi, dessen Klamotten rot gefärbt sind. Und daran ist ja nur Coca Cola (koscher) schuld (ich weiß, stimmt nicht). Und Bommelmützen tragen die Anhänger von Rabbi Nachman auch.
  • Messias: Das ist vielleicht ein wenig weit hergeholt. Aber hey, warum nicht, es geht schließlich um Religion, da ist argumentativ meist kein Weg zu weit. Chanukkah feiert das Olivenölwunder und das hebräische Wort Moschiach (Messias) bedeutet: Der Gesalbte. Die Salbung erfolgt mit Olivenöl.
  • Essen: Immer im Januar sind Frauen- und Männerzeitungen voll mit Diättipps. Im Rest des Jahres zwar auch, aber im Januar geht es im Besonderen darum, den sog. Weihnachtsspeck wieder los zu werden. An Chanukkah essen wir lauter in Öl gebratene oder gebackene Dinge: Kartoffelpuffer, Berliner (Pfannkuchen, Kreppel, etc.), gebratene Karottenscheiben (s.o.) und vieles mehr. Das Öl setzt sich dann im Körper gerne als Hüftgold ab.
  • Ch: Christkind und Channukkah fangen beide mit „Ch“ an. Das ist wohl eher zufällig und es ist deshalb eine Erwähnung wert, weil viel zu viele Menschen unser Fest falsch aussprechen. Das Ch klingt wie das in „Bach“. Und wenn ihr das nicht endlich lernt, sage ich ab heute „Schristkind“

Wie eng und vor allem, wie viel enger als andere Völker die Deutschen und die Juden bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts zusammengelebt haben, erahnt man, wenn man sich diese Parallelen ansieht. Nicht umsonst ist das alte hebräische Wort für Deutschland „Medinat Aschkenas“. Aschkenasen sind die nord- und osteuropäischen Juden.

Ich wünsche allen, die dieses Fest feiern, dass es besinnliche Tage werden, mit schönem Baum, sinnvollen Geschenken, wenig Streit und gutem Essen!

P.S.: Zugegeben, dieser Text erschien fast wortgleich bereits letztes Jahr und die Jahre davor, aber warum ihn so weit unten im Blog versauern lassen, wenn er doch heuer wieder so gut passt!

Ein Gedanke zu “Marry X-Mas und Frohe Y-Nachten 2022

  1. Bei mir in der Familie war Weihnachten auch immer eher betrüblich. Enttäuschung, Streit oder, vielleicht noch schlimmer, geheuchelte Harmonie in der Patchworkfamilie.

    Sobald ich selbst entscheiden konnte, also so ab 20, war ich jedes Weihnachten weg. Ganz weit weg, wo ich ernsthaft behaupten konnte, dass das Roaming nicht funktionierte.
    Und als richtiger Weihnachtshasser wollte ich natürlich in Länder, in denen ich von Weihnachten weitestgehend verschont bleiben würde. Ein paarmal war ich in Israel, was jenseits von Bethlehem oder Nazareth auch wirklich ganz entspannt war.
    Und einmal flog ich über Weihnachten nach Beirut – https://andreas-moser.blog/2020/08/11/beirut/ -, wo ich feststellen musste, dass ich zu wenig recherchiert hatte: Im Libanon gab es eine ganze Menge Katholiken und Kathedralen, aus denen überall Weihnachtslieder erklangen. Aber wenigstens stand ein Panzer vor jeder Kirche, das war ein bisschen exotisch.
    Zum nächsten Weihnachten flog ich in den Iran und dachte mir: Da bin ich sicher vor Weihnachten! Aber auch nicht ganz, denn selbst in Teheran werden die Schaufenster mit Weihnachtsmännern geschmückt. Und alle Menschen wünschten mir zu Weihnachten ein gutes neues Jahr, wahrscheinlich weil sie dachten, es sei so etwas wie Nowruz.

    Vorletzten Winter war ich dann in der Ukraine, wo Weihnachten zwei Wochen später gefeiert wird. Wenn man wieder rechtzeitig zurückfährt, entkommt man dem westlichen wie dem östlichen Weihnachten.

    Da ich mittlerweile so wenig wie möglich fliege, komme ich leider nicht mehr so weit weg. Und so geht es dieses Jahr nur in ein kleines Dorf in Belgien. Aber da kennt mich niemand und ich muss auf zwei Katzen aufpassen. So lässt sich selbst Weihnachten ertragen, hoffe ich.

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