17-jähriger Jugendlicher nach Axtangriff von Polizei erschossen

Ach nein, mein Fehler, die Überschrift, die SPON für diesen Anschlag gewählt hat ist: „Mann attackiert Zugreisende mit Axt – vier Schwerverletzte“. Der Jugendliche ist hier ein vollschuldfähiger Mann und sein selbstverschuldeter, wenn auch fremdverursachter Tod wird erst im dritten Satz des Artikels erwähnt. Dieser Terroranschlag fand nicht in Israel sondern in Würzburg statt, daher wurde auf eine Täter-Opfer-Umkehr in der Überschrift verzichtet. Nur Renate Künast ist darüber offenbar traurig (und erntet für ihren Tweet einen wohlverdienten Shitstorm).

@SPON: Gut gemacht! Weiter so! Das nächste Mal auch für Anschläge in Israel (von denen man leider ausgehen muss, dass sie wieder passieren werden).

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Raus aus der EU!

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Ein guter Grund für den #Brexit : Abbas vor dem EU Parlament

Die Briten haben gewählt. Sie haben von ihrem demokratischen Recht Gebrauch gemacht, eine eigene Meinung zu haben und auch zu artikulieren. Aber das Demokratieverständnis in Deutschland ist ein anderes: Man hat zu wählen, was sinnvoll ist. Und was sinnvoll ist, definieren linke Leitmedien. So eines wie SPON. Die sind daher auch auf die verqueere Idee gekommen, einen Artikel mit „Der Mann, der Europa in die Krise stürzte“ zu betiteln. Farage und UKIP sind also Schuld am Brexit. Na wunderbar, wenn ein Schuldiger gefunden ist, muss man vor der eigenen Türe nicht mehr kehren.

Hier in Israel wird der Brexit relativ gleichgültig aufgenommen von allen, mit den ich bisher gesprochen habe. Mit der Gleichung „Weniger Geld für die EU heisst weniger Geld an die Hamas“, gewinnt man dem Ganzen noch etwas positives ab. Bleibt abzuwarten, ob die Rechnung aufgeht.

Momentan sieht es nicht danach aus. Eher werden Turnhallen nicht saniert und Brücken in Europa nicht gebaut, als dass Palästinensern Geld gekürzt wird. Abbas durfte vergangenden Donnerstag unter Applaus im Europäischen Parlament alte antisemitische Legenden neu aufgewärmt über brunnenvergiftende Juden verbreiten.

Fällt den Antisemiten nichts Neues mehr ein, was sie uns anhängen können? Die EU finanziert die Islamofaschisten der Hamas und die Verbrecher der Fatah und betoniert damit den Status Quo, wirft uns Israelis aber vor, wir würden den Friendensprozess behindern.

Vor diesem Hintergrund kann man die Briten nur beglückwünschen. Denn bei diesem mörderischen Unsinn machen sie jetzt nicht mehr mit. Den anderen Unsinn, der den Briten erspart bleibt, dokumentiert mein Lieblings-MdEP Martin Sonneborn. Lustigerweise auch bei SPON.

Orlando, mir fehlen die Worte

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Orlando, du geschundene Schöne

Zu dem, was in Orlando passiert ist, fehlen mir die Worte. Ich bin in Israel und auch hier erschiessen Islamofaschisten Menschen einfach so. Ich könnte schreiben: Orlando, ich fühle mit euch! Orlando, ich weiss, was ihr durchmacht! Aber das stimmte nicht. Ich kann nicht erahnen, was die Menschen dort erleben mussten, wie sie starben, wie sie Todesangst hatten, wie ihre Angehörigen trauern. Abgesehen davon würde das auch mich selbst zu wichtig nehmen.

Ich könnte das Selbstverständliche betonen, dass Schwule und Lesben auch Menschen sind und man sie nicht für ihre sexuelle Orientierung einfach erschiessen darf! Aber muss man das wirklich noch sagen? Und würde das bei den Hassern etwas ändern?

Ich könnte den Islam und alle Muslime in die Verantwortung nehmen und mit dem Finger auf sie zeigen. Aber was geht mich der Islam an als Jude? Hat meine Religion nicht ihre eigenen Probleme mit Homosexualität?

Ich sage nichts, denn mir fehlen die Worte. Aber andere sprechen. Manche, weil sie müssen, andere aber, weil sie wollen oder können:

  • Gerd Buurman im tapferen Nirgendwo wendet sich an alle Muslime mit der Bitte um Hilfe. Aber wie sollen Muslime ihm helfen, wenn sie sich doch selbst helfen müssen? Er erinnert aber auch daran, dass diese Anschläge nicht „uns allen“ gelten, wie viel gefloskelt wird, sondern hauptsächlich Homosexuellen, Juden und Frauen.
  • Die Zeit fragt sich, wie SPON auch, ob Trump das hilft, denn er würde den Anschlag instrumentalisieren. Bei aller Abneigung, die ich diesem Schaumschläger entgegenbringe, was soll er denn sonst tun? Ignorieren?
  • In der WELT will Angela Merkel das offene und tolerante Leben fortsetzen. Ihres? Das der Ermordeten? Floskeln einer Berufspolitikerin.
  • In den Tagesthemen fragt man sich, ob der Täter (ich finde, Mörder passt besser) nun ein IS Mitglied war oder „nur“ ein Einsamer Wolf. Als ob das für die Opfer einen Unterschied macht, ob der IS durch ihre Internetpräsenzen den Attentäter zu einer Reise nach Syrien und dann erst zu einem Attentat in Orlando ermutigt hat, oder ob er diesen Umweg nicht genommen hat. Und das „nur“ können sie ja nicht ernst meinen. Ein Einsamer Wolf ist als Attentäter viel gefährlicher, er hat eventuell weniger politische Sprengkraft und ich fürchte, das meinen sie.

Ich finde keine Worte. Ich hoffe, dass die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer irgendwann jemanden finden, mit dem sie sprechen können, der dann die richtigen Worte findet.

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Tel Aviv Rathaus Foto: Arsen Ostrovsky

Der Terror ging mir noch nie so nah

Unser Kleinster weckte uns alle gestern um 6:30 auf. Mein erster Gedanke war: G-tt sei Dank, hat er durchgeschlafen. Am Tag davor bekam er zwei Impfungen und war Abends etwas unruhig.

Mein Mann ging mit beiden Jungs ins Wohnzimmer. Ich holte mein Handy und öffnete Facebook, um zu schauen, was ich Nachts verpasst habe. (Ja, ich weiss, ich bin ein Facebook-Junkie)

Mehrere Freunde, die in Tel Aviv leben, schrieben: „I’m safe!“ Sofort dachte ich: „Oh nein, was ist passiert?“ Kurz darauf zeigte mein Feed die Nachrichten vom Terroranschlag in Tel Aviv, der sich am Mittwoch ereignete, als wir schon schliefen.

4 Menschen wurden im Restaurant bei ihren Abendessen geradezu hingerichtet. Viele andere wurden verletzt. Den ganzen Tag kreisten sich meine Gedanken darum. Auch Facebook war voll von Videos, Bildern und Nachrichten.

Wie die meisten meiner Freunde fühlte ich Trauer, Wut, Verzweiflung.

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Mein Großer und ich holten den Kleinen vom Kindergarten ab. Er ist in der Babygruppe und hat vier Kindergärtnerinnen: eine Russin, eine Israelische Palästinenserin und zwei jüdische Israelinnen.

Als wir in den Raum kamen und der Kleine uns entgegen krabbelte, nahm ich ihn auf den Arm und merkte, dass die russischsprachige Kindergärtnerin Marina zwei weiteren Müttern etwas aufgeregt auf Hebräisch erzählte. Ich verstand nur die Hälfte. Aber es war klar, dass sie etwas persönliches über den Anschlag erzählte: Ihre Tochter war während des Anschlags in dem Restaurant. Marina erzählte mir dann, dass ihre Tochter kurz vor dem Anschlag mit einer Freundin auf die Toilette gegangen ist und sich so zufällig gerettet hat. Ihre anderen Freundinnen aber wurden verletzt und liegen noch im Krankenhaus. Die Tochter hat zwei Kinder im selben Alter wie meine beiden.

Ich fing an zu heulen. Ich stellte mir vor, mein Kind ruft mich an und erzählt, wie es in dem Restaurant war während des Anschlags. Das ist eine echte Horrorvorstellung für Eltern. Ich küsste meine Jungs und wir fuhren nach Hause. Morgen bringe ich den Kleinen wieder in seinen Kindergarten: zur Palästinenserin, zur Russin und den anderen beiden Israelinnen.

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White Wine Festival

Am Abend war ich mit einer Freundin verabredet. Wir gingen zum Wein Festival in Herzliya, dass nördlich von Tel Aviv liegt. Die Frage, ob wir Angst haben, stellte sich nicht. In Israel lässt man sich nicht unterkriegen. Das Leben geht weiter.

Den Spaß wollten wir uns nicht entgehen lassen. Das Festival, das am Hafen von Herzliya statt fand, war sehr gut besucht, es war richtig voll. Wir probierten fast alle Weine, aßen Käse und tanzten zur Livemusik.

Beim Rausgehen bedankte ich mich angetrunken und etwas überschwänglich bei den am Eingang stehenden Polizisten für ihre Arbeit. Hallo!? Ich habe unzählige Weine getrunken, die waren einfach zu lecker!

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Nastassja und ich betrinken uns hemmungslos kosten viele gute Weine

Ich wünsche allen einen friedlichen Shabbat und Shavuot Fest und schönes Wochenende.

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Besucher des White Wine Festivals

 

Jom Jeruschalayim – Die Befreiung vor 49 Jahren

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Mit Jehuda Kohen (סא“ל, vgl. Oberstleutnant)

Heute vor 49 Jahren wurde Jerusalem von den Jordaniern befreit. Sie wüteten in der Stadt für beinahe 20 Jahre, vertrieben alle jüdischen Bewohner aus der Altstadt und zerstörten die meisten Synagogen, darunter auch die Hurva, die prächtigste Synagoge ihrer Zeit.

Gestern Abend lauschte ich nach dem Abendgebet in unserer Synagoge dem Vortrag des Veteranen Jehuda Kohen. Er war damals ein einfacher Soldat, der im Sechs-Tage-Krieg als Reservist von der Uni eingezogen und in den Krieg geschick wurde. Er erzählte uns, wie die Mobilmachung ablief und dass es kaum Telefon und erst Recht kein Internet gab und viele einfach nicht wussten, was auf sie zu kommt. Er hatte damals eine kleine Kamera dabei und zeigte uns nun Fotos aus der Zeit.

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Das Design des Vortrages erinnerte an Webseiten aus den 90er Jahren…

Er gehörte zu einer Division, die eigentlich Richtung Ägypten aufbrechen und Nasser und seine Truppen zurückschlagen sollte. Die Ägypter waren aber unerwartet schnell besiegt, und sie wurden dort nicht mehr gebraucht. Nasser allerdings belog seinen Alliierten König Hussein aus Jordanien und erzählte ihm, seine Truppen ständen bereits vor Tel Aviv. Daher kämpften die Jordanier weiter.

Als er und seine Kameraden hörten, sie sollen nach Jerusalem, waren sie geradezu enttäuscht. „Was sollen wir in dieser Stadt?“, fragten sie sich. Dabei waren er und einige seiner Kameraden religiös und gingen mit TNT, Gewehr, Bajonett, Gebetsbuch und Gebetsriemen im Gepäck in den Krieg. Den militärischen Sinn dahinter und die emotionale Relevanz dieser Befreiung wurde ihnen erst später bewusst. Ich fragte ihn gestern Abend, ob der heutige Staat Israel ohne Jerusalem und die Kotel existieren könnte, und er verneinte vehement.

Er hielt einen Diavortrag mit seinen Fotos und erzählte seine persönliche Geschichte. Von der Fahrt im Bus nach Jerusalem, der Eroberung von Bunkern (mit TNT), wehmütig, wie er einen Jordanischen Soldaten erschoss, dem er in die Augen gesehen hatte, wie sie auf Har Hotzvim verschnauften und schliesslich, nach weiteren Stationen, den Har Habait, den Tempelberg eroberten.

An jeder Station träumten sie davon, dass der Krieg jetzt endlich vorbei sei, und erst am Tempelberg wurden sie erlöst.

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Jehuda Kohen auf dem Tempelberg

Er zeigte uns Fotos von ihm und seinen Kameraden, wie sie vor dem Felsendom posieren, an dessen Kuppel sie eine Israelische Fahne angebracht hatten. Es gibt kein Foto von der Fahne dort, nach einer halben Stunde wurde sie auf Befehl eines Vorgesetzten wieder eingeholt. Der religiöse Ort für die Muslime sollte respektiert bleiben. Auch die Freude währte nur kurz, denn schnell verbreiteten sich die Nachrichten darüber, wer ihrer Freunde gefallen und verwundet war.

Dass dieser Krieg gegen die Jordanier kein Krieg gegen Muslime oder Palästinenser war, sondern gegen die Jordanischen Besatzer, zeigt die Rede Moshe Dayans, dem damals amtierenden Verteidigungsminister, kurz nach der Befreiung:

„This morning, the Israel Defense Forces liberated Jerusalem. We have united Jerusalem, the divided capital of Israel. We have returned to the holiest of our holy places, never to part from it again.
To our Arab neighbors we extend, also at this hour – and with added emphasis at this hour – our hand in peace. And to our Christian and Muslim fellow citizens, we solemnly promise full religious freedom and rights. We did not come to Jerusalem for the sake of other peoples‘ holy places, and not to interfere with the adherents of other faiths, but in order to safeguard its entirety, and to live there together with others, in unity.“

Jehuda Kohen hält diesen Vortrag seit Jahren und erzählt beseelt davon, wie er mit Rabbi Goren und Rabbi Kook das erste Minchagebet (Nachmittagsgebet) an der Kotel (Westmauer oder Klagemauer) seit Jahrzehnten gebetet hat und sie mit 10 Männern angefangen haben und zum Ende des Gebets alle anderen dazugekommen sind, die vorher noch am Felsendom sassen. Die Kotel ist seit dem eine offene Synagoge für alle, egal ob Jude, Christ, Moslem oder sonst irgend etwas.

Die Kontrolle über den Tempelberg selbst haben wir wieder abgegeben. Dort herrscht die Fatah und lässt Juden, die offen als Juden zu erkennen sind nicht rein.

 

 

EU-Israel: Ist diese Beziehung noch zu retten?

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Lars Faaborg-Andersen in seiner Residenz

In 85% der Angelegenheiten haben wir eine hervorragende Zusammenarbeit. So in etwa begann letzte Woche der Botschafter der EU in Israel Lars Faaborg-Andersen seine Rede bei einer intimen Veranstaltung in seiner Residenz mit etwa 50 sogenannten young professionals, von denen die meisten im politischen Bereich arbeiten.

Also beginne auch ich meinen Bericht mit Positivem: Die Residenz, die quasi direkt am Strand von Herzliya Pituach liegt, war wirklich beeindruckend. Eine wunderschöne Villa mit eigenem Pool im Garten und einer eleganten, europäischen Einrichtung.

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Lena und ich machen Selfies während des Vortrages.

Wir, also die EU und ihr, Israel hätten ja so viel gemeinsam, sagte der Botschafter, etwa die gleichen demokratischen Werte.

Nachdem der er die Beziehung zwischen Israel und der EU pflichtbewusst gelobt hatte, ging es ans Eingemachte:

  • Atomdeal mit dem Iran: Die EU wisse zwar, dass der Iran Terrororganisationen unterstützt, aber um Irans Atomprogramm einzudämen, war das ein guter Deal, sagt er. Eine genaue Begründung, was an der Unterstützung eines klerikalen Regimes gut sein soll, blieb er schuldig.
  • Die jüdischen Siedlungen im Westjordanland nannte er das grösste Hindernis für den Frieden. Er räumte zwar ein, dass es gut möglich sei, dass die großen Siedlungsblöcke an Israel gehen könnten, aber die im Westjordanland verstreuten Siedlungen wären ein großes Problem. Es ist, als würde man ein Stück von einer Pizza essen bevor klar ist, wer wie viel davon bekommt, sagt er. Dass Palästinenser und die PA offen aussprechen, dass sie die ganze Pizza nur für sich wollen, unterschlägt er.
  • Israel behandelt Beduinen und Palästinenser nicht menschenwürdig, so sein Vorwurf.

In der darauffolgenden Fragerunde, musste er starken Gegenwind aushalten. Vieles lächelte er einfach weg. Auf den Einwurf, dass Palästinenser zum Terror von Seiten der palästinensischen Regierung aufgestachelt werden, antwortete er, die EU würde das jedes Mal deutlich kritisieren. Ahja. Dabei gab er sogar zu, dass er immer wieder die Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde darauf hinweisen müsse, von ihren offiziellen Internet-Seiten Videos zu entfernen, die die Terrorattentäter preisen.

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Hier quäle ich den EU-Botschafter mit Fragen

Eine junge Frau befragte ihn zum Druck, den die EU ausübt, um Israel an den Verhandlungstisch zu zwingen, indem sie israelische Produkte aus dem Westjordanland boykottieren. Sie fragte, welche Druckmittel denn genutzt würden, um die Palästinenser an den Verhandlungstisch zu zwingen. In vielen Worten versuchte er zu vermeiden zu sagen, dass eben kein Druck ausgeübt wird.

Ich selbst hatte auch die Gelegenheit, etwas zu sagen.  Ich entgegnete auf seinen Vorwurf, Israel würde Beduinen und Palästinenser nicht menschenwürdig behandeln, dass Europa kein gutes Beispiel abgibt. Wie kann es sein, dass in Ländern wie Bulgarien Sinti und Roma in Gettos eingesperrt sind und kaum Rechte haben und in Ländern wie Lettland, Minderheiten, die seit Generationen dort leben, keinen Pass bekommen? Er antwortete, es gebe jetzt in der EU Kommissionen, die sich darum kümmern. Natürlich ist es problematisch auf einen Vorwurf mit „ihr aber auch“ zu antworten. Wenn der Vorwurf aber von einer Seite kommt, die sich mit übertriebenen und verfälschten Fakten als Moralapostel aufspielt, dann muss man sich einfach wehren und die Relationen wieder gerade rücken.

Auf meine Frage, warum in Deutschland bei sogenannten Anti-Israel-Demos Slogans wie „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“ als Israelkritik durchgehen, hat ihn in Verlegenheit gebracht. Er wusste nichts davon und sagte, er könne es sich nicht vorstellen, dass es so ist.

Auch wenn ich nichts wirklich Neues gelernt habe auf der Veranstaltung, so habe ich doch viele Menschen getroffen und hatte die Möglichkeit, mich und meine Organisation GIWA,  die German-Israeli Women Association, bei anderen Politaktivisten vorzustellen. Denn wenn der EU-Botschafter nicht willens oder in der Lage ist, die Beziehungen zwischen Israel und der EU zu verbessern, dann machen wir das eben selbst. 😉

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Mona und ich von GIWA

 

 

Siedlergewalt in Deutschen Medien

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Die Onlineausgabe der ZEIT hat einen bemerkenswerten Artikel von Mirjam Fischer  über den Antisemtismus in deutschen Medien, allen voran die Süddeutsche Zeitung, veröffentlicht. Er endet mit folgendem Absatz:

Das Thematisieren antisemitischer Israelkritik bleibt heikel, auch weil es schnell als Medienschelte abgehandelt wird. Auf den Kulturseiten der SZ wählt Gustav Seibt in seiner Besprechung des Nahost-Buchs In der freien Welt von Norbert Gstrein vielsagende Worte, die er als Einreden auf zweiter Ebene bezeichnet: „Wer Israel zu leidenschaftlich kritisiert, gerät in den Verdacht des Antisemitismus.“ Ja, genau so ist es. Und das hat Gründe.

Ich hoffe, die zuständigen Redakteure bei der SZ, der TAZ, SPON und anderen Medien, lesen diesen Text und nehmen ihn sich zu Herzen.

http://www.zeit.de/kultur/2016-04/israelkritik-antisemitismus-medien-sueddeutsche-zeitung-10nach8

Menschen und Mörder

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Diese Woche habe ich über Purim und Brüssel geschrieben. Dort schrieb ich den Satz:

Nach Deutschland flüchten Menschen und nicht Flüchtlinge und sie wollen wie Menschen behandelt werden, im Guten wie im Schlechten.

Was ich damit meine, will ich noch mal deutlich machen.

Was ist ein Mensch?

Vor allem ist ein Mensch kein Tier. Der Unterschied zwischen Menschen und Tieren ist aber nicht die Fähigkeit zu sprechen oder zu kommunizieren, ist auch nicht die Fähigkeit zur Herstellung und Nutzung von Werkzeugen, ist nicht die Weitergabe von Gelerntem an die nächste Gerneration und auch nicht die Fähigkeit Empathie und Liebe oder auch Hass zu empfinden. All das findet man auch bei Tieren wieder. Der wesentliche Unterschied ist der Freie Wille. Das lernen wir aus der Bibel, gleich zu Anfang, wenn Eva Adam den Apfel vom Baum der Erkenntnis reicht.

Das heisst, ein Mensch trägt eine Verantwortung für das, was er tut. Man wird nicht zum Mörder, weil die Umstände so sind wie sie sind, man wird zum Mörder, weil man selbst entschieden hat, einer zu werden.

Wem die Bibel nicht gefällt, der kommt mit Hilfe von Sartre zum selben Schluss.

„Jeder kann jederzeit aus dem etwas machen, was aus einem gemacht wurde“
Jean Paul Sartre

Terroristen sind Mörder

Terroristen sind Mörder, weil sie Menschen sind und Mörder sein wollen. Nicht, weil Europa oder die USA in der Vergangenheit falsche Politik betrieben haben. Mag‘ ja sein, dass diese falsche Politik in Afrika und in Nahost bei bösen Menschen die Hemmschwelle gesenkt hat, Mörder zu werden, das macht sie aber nicht weniger schuldig am selbst gewählten Weg. Der Satz „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst“ stammt aus der Torah. Das Judentum kennt die Nächstenliebe schon länger, als das Christentum existiert, versteht darunter aber nicht so einen Quatsch, wie Käßmanns Liebe für Terroristen. Sie bedeutet, dass wir an andere keine strengeren Masstäbe als an uns selbst stellen dürfen. Wenn ich zum Mörder werden sollte, werde ich mich hassen. Genau wie die Mörder von Brüssel, Paris und natürlich von Tel Aviv, Jerusalem, Judäa, Samaria und sonst wo in der Welt, die aus welchen Gründen auch immer Wehrlose und Unschuldige in den Tod reissen.

Flüchtlinge sind Menschen

Flüchtlinge sind Menschen und selbst verantwortlich für das, was sie tun: Für die Risiken, die sie eingehen, die Fehler, die sie machen und für ihr Verhalten, wenn sie ankommen. Wenn man sie in Lager steckt, das Arbeiten verbietet und ihnen jedes Verbrechen mit Hinweis auf kulturelle Unterschiede verzeiht, dann wird es für sie unmöglich, etwas aus sich zu machen. Das kann sich Deutschland mit Blick auf die Geburtenrate eigentlich nicht leisten.

Wirtschaftsflüchtlinge

Die Diskussion dreht sich neben der Bewältigung des Flüchtlingsstroms generell auch um die Unterscheidung zwischen „echten“ und Wirtschaftsflüchtlingen. Dabei macht doch die Motivation zur Flucht aus einem Fliehenden keinen Reisenden.

Fast alle Neueinwanderer Amerikas waren Wirtschaftsflüchtlinge und sie haben eine großartige Nation aufgebaut. Wer flieht, weil er zuhause sich nicht verwirklichen kann, der will sich wo anders entfalten. Der will leisten und an seiner Leistung einen Gewinn haben. Ist das verwerflich? Nein. Im Gegenteil, diese Art Flüchtlinge bringen ein Land mit Geburtendefizit nach vorne. Auf der anderen Seite aber Menschen, die vor Krieg und Vertreibung flüchten, brauchen eher die Hilfe eines Sozialstaates.

Die Menschlichkeit gebietet es, solchen Menschen zu helfen. Wie weit und wie lange und zu welchen Konditionen, darüber kann man und muss man streiten. Diese Menschen sollten und wollen wahrscheinlich sogar so schnell wie möglich zurück in ihr Land, sobald der Krieg vorbei, die Vertreibungen zuende, die Hungersnöte gemildert oder andere „Fluchtursachen“ abgestellt sind. Die Wirtschaftsflüchtlinge aber wollen bleiben. Und Deutschland sollte das als Chance verstehen und nicht als Bedrohung. Andere Länder machen es vor: Wer einen Pass in Kanada oder in Neuseeland will, muss vorher beweisen, dass er leisten kann und will. Die Religion, Herkunft, Geschlecht oder Hautfarbe spielt dabei keine Rolle. Das wäre auch rassistisch.

Wenn man in Deutschland hohe Motivation, eigene Leistung und die Anerkennung des Staates und seiner Gesetze mit einem Pass honoriert und das den Flüchtlingen vorher deutlich kommuniziert, dann sind sie ein Segen und kein Fluch für Deutschland. Wer jedoch nur eine Überlebenspause von den Kriegen zuhause braucht, denen sollte man genau das von Herzen gönnen und geben und nicht mehr.