Danke fürs Gedenken

The curved ceiling of the Hall of Names is pictured during a visit by U.S. President Barack Obama at the Yad Vashem Holocaust Memorial in Jerusalem
Yad VaShem in Jerusalem

Heute haben alle Menschen der Welt, zumindest die anständigen unter denen, die überhaupt davon wissen, den ermordeten Menschen des Holocaust gedacht. Danke. Unter diesen Opfern ist auch mein Großvater und seine ganze Familie. Und bis auf wenige Überlebende auch die Familie meiner Frau.

Aber warum soll man Gedenken? Vor allem, wenn man nicht gerade direkt betroffen ist wie wir Nachkommen der Opfer oder die Nachkommen der Täter? Man gedenkt, um daraus seine Schlüsse zu ziehen, um etwas zu lernen.

Und das ist der üble Beigeschmack bei der ganzen Veranstaltung. Denn manche lernen daraus Dinge, für die ich sie lieber nicht hätte Gedenken lassen. Hier die Lehren, die man zieht:

1. Es ist nicht OK, Menschen einfach so zusammenzupferchen und dann in Gaskammern zu stecken, um sie massenhaft abzuschlachten

Ja, das stimmt natürlich. Aber wer den Holocaust brauchte, um das zu kapieren, der hätte wohl selber mitgemacht und sich dann auf einen Befehlsnotstand berufen. Und er (oder natürlich auch sie) hätte dann auch folgende Lehre ziehen wollen:

2. Man darf sich nicht erwischen lassen

Ja, schon blöd, wenn man nicht vorsichtig genug war und dann bei der Entnazifizierung nicht genügend Lügengeschichten parat hatte, um sich vor der Verantwortung zu drücken.

3. So was kommt von so was

Will sagen, wir müssen aufpassen, dass wir Juden uns nicht noch mal so schlecht benehmen, dass man uns unbedingt umbringen will. Denn: Ja, natürlich, das war so nicht ok vonnem Adolf, aber einen Massenmord, sofern er denn stattgefunden hat, macht man doch nicht ohne Grund!

4. Die Juden müssen deswegen besonders gute Menschen sein

Denn wer dem Holocaust entronnen ist, der hat eine von den Nazis betriebene Besserungsanstalt besucht, die leider nicht viele überlebt haben. Und deswegen ist es wichtig, dass Juden heute bessere Menschen sein müssen als alle anderen Menschen der Welt. Und auch anders be- und verurteilt werden, wenn sie sich mal nicht so christlich, äh, jüdisch benehmen, wie sie sollten. Etwa, wie sie mit den Palästinensern umgehen. Das führt doch nur zu Punkt 3. (siehe oben).

5. Wer am besten erinnert, ist am unschuldigsten

Ja, besonders hübsch ist das Holocaust-Denkmal im Zentrum unserer wunderschönen Hauptstadt nicht, aber immerhin ein Publikumsmagnet. Ausserdem können wir soooo stolz sein, das Gedenken perfektioniert zu haben. Die Devise war: Nicht kleckern, sondern klotzen! Die Klotzen dann noch direkt neben dem Brandenburger Tor verteilt, und keiner kann uns nachsagen, wir hätten irgend welche Kosten und Mühen gescheut. Und nun lasst uns mit dem Moralinsauer in Ruhe. Schlussstrich.

6. Nie wieder!

Ja, nie wieder. Nur was man nie wieder soll, darüber ist man sich nicht ganz einig. Die einen wollen nie wieder Juden umbringen. Sehr löblich (siehe Punkt 1). Die anderen wollen nie wieder Krieg, egal welchen und egal zwischen wem. Und wieder andere wollen nie wieder mit dem Holocaust behelligt werden. Und wenn, dann nur, um Juden zu erklären, dass sie selbst auch nie wieder überhaupt jemanden töten dürfen, und sei es in Notwehr. Denn Juden sind ja… siehe Punkt 4.

Was wir Juden daraus gelernt haben

Wir haben gelernt, dass wir einen eigenen Staat mit einer eigenen Armee und eigener Regierung, Gerichtsbarkeit, Gesetzgebung und allem was dazu gehört brauchen. Denn auf andere Staaten können wir uns nicht verlassen. Die Aliierten, denen wir durchaus dankbar sind für die Befreiung von den Deutschen, haben es nicht mal hinbekommen, die Gleise nach Auschwitz zu bombardieren. Jetzt haben wir unsere eigene Luftwaffe mit den modernsten Flugzeugen der Welt.

Und das ist meiner Meinung nach die einzige echte Lehre, die man aus dem Holocaust ziehen kann:

7. Wer einen Holocaust androht, dem muss man glauben

Wer dann wieder Appeasement versucht wie das Münchner Abkommen, der hat nichts gelernt. Genau wie diejenigen, die gerade den Iran mit Atomdeals appeasen wollen. Denn eines wissen wir sicher: Es ist passiert und das heißt, es kann wieder passieren.

Internet und Iran

iranconnectDie Sanktionen gegen den Iran wurden gelockert. Jetzt dürfen wieder Waren und Dienstleistungen aus dem bösen Westen importiert werden.

Der Iran bemüht sich auch um bessere Internetanbindungen. Dazu wird ein Event mit dem Namen „Iran Connect“ am 6. und 7. September in Teheran abgehalten. Das Ziel ist es, lokale Anbieter mit internationalen Carriern zusammenzubringen.

Ich finde das gut. Internet heisst Zugang zu Information. Denn auch jede noch so gute Firewall lässt sich umgehen. Und je schneller und zuverlässiger die Verbindungen, um so einfacher wird das.

Mein Bekannter Martin Levy von Cloudflare, der quasi auf jedem dieser Events anzutreffen ist, wird hier wohl nicht auftauchen. Wie sein Name vermuten lässt, ist er einer, der Yom Kippur am liebsten Zuhause verbringt. Das schreibt der Veranstalter zu den Visabedingungen für den Iran:

VISAS

Nationals of all countries (except those listed below) holding a valid passport and wishing to visit Iran mainland, can obtain a 30-day Tourist Visa Upon Arrival at these airports […] List of non-eligible nationalities for visa: Afghanistan, Bangladesh, Canada, Colombia, India, Iraq, Jordan, Pakistan, Somalia, UK & USA.

Mit meinem Deutschen Pass dürfte ich also ohne vorher ein Visum beantragen zu müssen rein, Deutschland ist ja nicht in der Liste der Länder, deren Bewohner ein Visum brauchen. Und mit meinem Israelischen? Wohl kaum. Israel ist es aber nicht mal wert, genannt zu werden.

Einer der Sponsoren ist „Orange“. Naja, so lohnt es sich vielleicht doch noch für sie, dass sie Israel verlassen haben.

EU-Israel: Ist diese Beziehung noch zu retten?

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Lars Faaborg-Andersen in seiner Residenz

In 85% der Angelegenheiten haben wir eine hervorragende Zusammenarbeit. So in etwa begann letzte Woche der Botschafter der EU in Israel Lars Faaborg-Andersen seine Rede bei einer intimen Veranstaltung in seiner Residenz mit etwa 50 sogenannten young professionals, von denen die meisten im politischen Bereich arbeiten.

Also beginne auch ich meinen Bericht mit Positivem: Die Residenz, die quasi direkt am Strand von Herzliya Pituach liegt, war wirklich beeindruckend. Eine wunderschöne Villa mit eigenem Pool im Garten und einer eleganten, europäischen Einrichtung.

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Lena und ich machen Selfies während des Vortrages.

Wir, also die EU und ihr, Israel hätten ja so viel gemeinsam, sagte der Botschafter, etwa die gleichen demokratischen Werte.

Nachdem der er die Beziehung zwischen Israel und der EU pflichtbewusst gelobt hatte, ging es ans Eingemachte:

  • Atomdeal mit dem Iran: Die EU wisse zwar, dass der Iran Terrororganisationen unterstützt, aber um Irans Atomprogramm einzudämen, war das ein guter Deal, sagt er. Eine genaue Begründung, was an der Unterstützung eines klerikalen Regimes gut sein soll, blieb er schuldig.
  • Die jüdischen Siedlungen im Westjordanland nannte er das grösste Hindernis für den Frieden. Er räumte zwar ein, dass es gut möglich sei, dass die großen Siedlungsblöcke an Israel gehen könnten, aber die im Westjordanland verstreuten Siedlungen wären ein großes Problem. Es ist, als würde man ein Stück von einer Pizza essen bevor klar ist, wer wie viel davon bekommt, sagt er. Dass Palästinenser und die PA offen aussprechen, dass sie die ganze Pizza nur für sich wollen, unterschlägt er.
  • Israel behandelt Beduinen und Palästinenser nicht menschenwürdig, so sein Vorwurf.

In der darauffolgenden Fragerunde, musste er starken Gegenwind aushalten. Vieles lächelte er einfach weg. Auf den Einwurf, dass Palästinenser zum Terror von Seiten der palästinensischen Regierung aufgestachelt werden, antwortete er, die EU würde das jedes Mal deutlich kritisieren. Ahja. Dabei gab er sogar zu, dass er immer wieder die Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde darauf hinweisen müsse, von ihren offiziellen Internet-Seiten Videos zu entfernen, die die Terrorattentäter preisen.

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Hier quäle ich den EU-Botschafter mit Fragen

Eine junge Frau befragte ihn zum Druck, den die EU ausübt, um Israel an den Verhandlungstisch zu zwingen, indem sie israelische Produkte aus dem Westjordanland boykottieren. Sie fragte, welche Druckmittel denn genutzt würden, um die Palästinenser an den Verhandlungstisch zu zwingen. In vielen Worten versuchte er zu vermeiden zu sagen, dass eben kein Druck ausgeübt wird.

Ich selbst hatte auch die Gelegenheit, etwas zu sagen.  Ich entgegnete auf seinen Vorwurf, Israel würde Beduinen und Palästinenser nicht menschenwürdig behandeln, dass Europa kein gutes Beispiel abgibt. Wie kann es sein, dass in Ländern wie Bulgarien Sinti und Roma in Gettos eingesperrt sind und kaum Rechte haben und in Ländern wie Lettland, Minderheiten, die seit Generationen dort leben, keinen Pass bekommen? Er antwortete, es gebe jetzt in der EU Kommissionen, die sich darum kümmern. Natürlich ist es problematisch auf einen Vorwurf mit „ihr aber auch“ zu antworten. Wenn der Vorwurf aber von einer Seite kommt, die sich mit übertriebenen und verfälschten Fakten als Moralapostel aufspielt, dann muss man sich einfach wehren und die Relationen wieder gerade rücken.

Auf meine Frage, warum in Deutschland bei sogenannten Anti-Israel-Demos Slogans wie „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“ als Israelkritik durchgehen, hat ihn in Verlegenheit gebracht. Er wusste nichts davon und sagte, er könne es sich nicht vorstellen, dass es so ist.

Auch wenn ich nichts wirklich Neues gelernt habe auf der Veranstaltung, so habe ich doch viele Menschen getroffen und hatte die Möglichkeit, mich und meine Organisation GIWA,  die German-Israeli Women Association, bei anderen Politaktivisten vorzustellen. Denn wenn der EU-Botschafter nicht willens oder in der Lage ist, die Beziehungen zwischen Israel und der EU zu verbessern, dann machen wir das eben selbst. 😉

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Mona und ich von GIWA