Silvester

Heute wird Silvester gefeiert und morgen beginnt das neue Kalenderjahr 2015. Es ist infantil und archaisch, diese Böllerei auf den Strassen, aber es macht Spaß, und Spaß ist keine Sünde. Ich bin mal an einem 31.12. abends in Hamburg mit dem Flugzeug gelandet. Hamburg hat einen Flughafen, der sehr nah am Stadtzentrum und umgeben von bewohntem Gebiet ist. Im Landeanflug sieht man die vielen Silvester-Raketen aufsteigen, die von oben wie Glühwürmchenschwärme aussehen. Kaum war ich gelandet und zuhause angekommen, zündete ich auch so eine Rakete, die von unten gar nicht nach Glühwürmchen, sondern wie ein Feuerwerk aussieht, was ja der Zweck des Ganzen ist. Trotz aller Feierei sollte man nicht vergessen, wer dieser Silvester eigentlich war. Ich zitiere einfach mal aus meinem Buch:

„[Silvester] war immer mein Lieblingsfeiertag. Wir sind, als wir noch Kinder waren, jedes Jahr mit der Familie gegen Mitternacht in Hamburg an die Elbe zum Museumshafen Övelgönne gelaufen. Dort haben wir uns Punkt Zwölf gegenseitig ein schönes neues Jahr gewünscht, sind auch wildfremdem Menschen um den Hals gefallen, und die Ozeandampfer gaben ein stimmgewaltiges Signalhornkonzert. Wenn ich über Silvester zufällig in Hamburg bin, nehme ich meine Geschwister, ein paar Freunde und eine oder zwei koschere Flaschen Sekt mit und wir gehen an die Elbe. Dort wünschen wir uns einen „Guten Rutsch“, was von Jiddisch „Guten Rosch“, also „guten Anfang“ kommt.
In Israel wird Silvester nur privat gefeiert, denn der 1. Januar ist üblicherweise ein Arbeitstag. Daher vermisse ich Neujahrsfeiern nicht, wenn ich hier bin. […] Aber Sie?
Wenn Sie weiterhin Silvester feiern wollen, dann tun Sie das. Aber Ihr Rabbi wird sich nicht unbedingt darüber freuen. Auch wenn vordergründig nur der Beginn des neuen Kalenderjahres gefeiert wird, ist Silvester doch ein Fest mit antisemitischem Hintergrund. Nicht nur wurden Juden regelmäßig an Silvester in Pogromen getötet, der namensgebende Papst Silvester I soll im Jahr 324 bei Kaiser Konstantin angeregt haben, dass Juden in Jerusalem nicht mehr wohnen dürfen. Eine Meinung, die zumindest auf Ostjerusalem bezogen heute wieder en vogue ist.
Im ersten Konzil von Nicäa im Jahre 325 war er zwar selbst nicht anwesend, hat aber angeblich durch seine Gesandten dafür gesorgt, dass Repressalien gegen Juden beschlossen wurden. Und auch, wenn sich die Geschichtsgelehrten vielleicht streiten, als Judenfreund ist Papst Silvester I in keinem Fall in die Geschichte eingegangen.“

Ich will damit keinem die Feier vergällen. Im Gegenteil, ich wünsche allen Lesern hier eine wunderbare Party heute Abend mit viel (koscherem) Sekt und Spass. Und auch hier in Israel werden wir in der Familie zumindest eine Tradition aufrecht erhalten und heute Abend, wenn die Sonne untergegangen ist, uns das „Dinner for one“ ansehen:

 

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