Frauen sind die Verlierer der Corona-Krise

Dass Frauen systemrelevant sind und gleichzeitig schlechter bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen, wissen wir nicht erst seit der Corona-Krise.
Allerdings stoßen Frauen auf weitere Probleme, die mit den Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens zurzeit einhergehen. Homeschooling und häusliche Gewalt.

 

Seit nun vier Wochen ist hier in Israel alles dicht: Schulen, Kitas, Cafés, alles was nicht lebensnotwendig ist. Kurz darauf wurde auch in Deutschland alles zugemacht. Das hatte zur Folge, dass viele Menschen ihre Jobs zeitweise oder ganz verloren haben, Unternehmen ihre Aufträge verloren haben und sich viele Menschen auf neue beruflichen Realitäten anpassen mussten. Das betrifft auch mich mit meiner Firma. Alle Aufträge für dieses Jahr sind auf Eis gelegt.

Anders sieht es jedoch bei den Menschen aus, die in den sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten. Dazu zählen unter Anderem medizinische Berufe und alle, die sich um die Lebensmittelversorgung kümmern. Meistens arbeiten Frauen in diesen Berufen. Diese Frauen müssen weiter arbeiten, während ihr Familien zu Hause sind. Teilweise arbeiten sie sogar mehr als vorher. Die Bezahlung in diesen Berufen, außer ÄrztInnen vielleicht, ist sehr schlecht. Die Diskussion darüber muss nach Corona weiter geführt werden.
Eine zusätzliche Belastung für Frauen ist das Homeschooling. Da in vielen Familien, vor allem mit kleinen Kindern, die Männer Vollzeit arbeiten und mehr verdienen, ziehen die Frauen den Kürzeren und übernehmen das Homeschooling. Leider ist es bei uns auch so. Mein Mann arbeitet im Hightech als Produktmanager und muss weiter den Großteil der Arbeit wie gewohnt machen, Meetings, Präsentationen usw. Ich, als Selbstständige muss mich eben um unsere drei Kinder kümmern. Meine Aufträge für dieses Jahr liegen zwar auf Eis, aber auf dem Eis möchte ich nicht liegen. 😉 Ich versuche jetzt die Projekte weiter zu machen, die ich mir schon lange vorgenommen hatte und nicht dazu gekommen bin. Ich schreibe ein Buch und bereite einen Online Kurs vor. Viel Zeit zum Arbeiten bleibt mir aber nicht. Drei Kinder rund um die Uhr zu betreuen, ist ein harter Job. Wir genießen die Zeit zu fünft wirklich sehr, einfach ist es aber nicht.

Ein letzter und wichtigster Punkt, warum Frauen die Verlierer dieser Corona-Krise sind, ist häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder. Die Zahlen sind bereits nach den jetzigen Berechnungen in Deutschland um mindestens 10% höher als im Vorjahr. Weltweit ist der Anstieg vermutlich noch stärker. Vor allem trifft es Frauen besonders hart in Ländern, wo häusliche Gewalt nicht mal illegal ist, wie es in Russland der Fall ist. Auch dieses Problem muss auch nach der Corona-Krise im Fokus des gesellschaftlichen Diskurses bleiben.

Ein Gedanke zu “Frauen sind die Verlierer der Corona-Krise

  1. Kommt immer auf die Brille an, die man aufhat. Durch meine Brille gesehen, sind die Statistiken eindeutig: hauptsächlich männliche Tote, keine Zunahme der häuslichen Gewalt, Männer wie Frauen gleichermaßen in systemrelevanten Jobs während der Krise. (Supermarktkassiererinnen hier, Paketboten und Lastwagenfahrer dort). Gut, der Gender Pay Gap bleibt auch während Corona bei den errechneten 2% – 4% (der bereinigte, also der wo man Gleich mit Gleich vergleicht und der daher der ist, an dem man zu arbeiten hat, nicht der bei 25% wo man sich zu wundern versucht, dass eine ungelernte Putzhilfe in Teilzeit weniger verdient als ein Ingenieur mit 60 Stunden Woche und 8 Jahren Ausbildungsgekloppe hinter sich). Bleibt letztlich die Sache mit dem Homeschooling übrig. Da kommt es wie immer auf den Einzelfall an. Da widerspreche ich dir gar nicht, als kinderloser Mann, der an eine Frau mit Kind gebunden ist (und sein will). Leider weiß ich auch, dass viele Kerle während Corona (und mit „Corona“ als Argument) ausgesperrt wurden, also als potentielle Helfer sehr unwillkommen sind. Derweil viele ihr Kind sehr gerne bei sich aufgezogen hätten, aber vor Gericht eben keine Schnitte gegen die Mutter hatten. Es ist zuvorderst die stärkere Position vieler Mütter, die ihnen hier ins Genick fällt.
    Aber egal wie es zu was kam: Es ist immer noch, trotzdem und erst recht hart. Klar, nix zu widersprechen. Nur die Genderbrille ist hier eben doch sehr bemüht herbeigezerrt und fehlplatziert. Ich meine was wäre die Alternative: dass Frauen aufs Sorgerecht verzichten künftig? Oder, wenn der Mann sich weigert, sich einfach auch weigern?

    Ist aber kein Vorwurf, jeder steckt in seiner Identität fest. Wir bilden uns alle ein über Tellerränder hinausspähen zu können, das kannst du aber nicht und ich auch nicht. Hillary Clinton sagte mal: „Zuvorderst Frauen sind die Hauptleidenden eines jeden Krieges, sie verlieren Sohn, Mann, Vater.“
    Als Frau versteht man den Satz vielleicht. Als Mann ist der Satz derart offenbarend, dass man anfängt zu lachen und nioe wieder aufhört damit.

    Ich sende dir alles Gute nach Israel, grüß mir meine Kurzzeit-Heimat Arad, war viel zu lange nicht da.

    David

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